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Das Bürgerliche

Wir wollen das Thema mit einigen kleinen Anmerkungen zur aktuellen Kommunismus – Diskussion eröffnen.
Unabhängig davon, welche Klärungen des Begriffs nötig sein könnten, was immer in einer aus “linker” Sicht defensiven Diskussion enden wird, möchten wir das mit Blick auf das unkommunistische Bürgerliche etwas offensiver angehen.

Zunächst ist die Diskussion, die von dieser Gesine Lötzsch ohne Not vom Zaun gebrochen wurde, schon von daher willkommen, als sie deren politischen Heimgang beschleunigt, ansonsten diese politisch notwendige Protestbewegung namens “Die Linke” binnen Jahresfrist das Schicksal der FDP ereilt.
Frau Lötzsch hat saubere Spionsarbeit geleistet. Das trägt fast guillaumsche Züge. Eine Parteivorsitzende, die ihrer Partei den Brutus – Stoß zu setzen versucht. Man könnte fast meinen, hier sei eine CDU – Informantin zu höchsten Ehren bei der Linken gelangt. Nun gut, das wird sich alles geben.

Spannender ist hier schon die allseits zur Schau getragene Empörung über das Wort “Kommunismus”.
Wenn Grießnockerl wie Sigmar Gabriel und Andrea Nahles oder wütende Papiertiger wie Trittin und Künast deswegen eine Koalition mit der Linken im Bund jetzt schon ausschließen, dürfen wir vorsichtig zwischen den Zeilen lesen: Man hat auf der linken Seite kein Interesse am Regieren. Zu frisch ist es noch in Erinnerung, wie wenig Politik eigentlich bewegen kann. Solange die Diäten fließen, ist Regieren nicht notwendig. Angela Merkel wird uns leider noch lange als Kanzlerin erhalten bleiben, vielleicht sogar mit Trittin als Wirtschaftsminister, der dann seine eigenen Proteste von vorher vernünftig abbügeln wird.

Jetzt zum “bürgerlichen” Lager.
Das Bürgerliche sieht die so genannte Linke stets als den Gegner der Freiheit, wie dieses zum Wirtschaftsmysterium mutierte schwabbelnde Weinbrötchen “Brüderle” den Mittelstand der sozialen Marktwirtschaft – nicht etwa des Kapitalismus – geradezu götzenhaft beschwört. Nur ein solider Mittelstand kann sich eine so wirkungs- und bedeutungslose Kreatur wie Brüderle als Minister leisten. Die Abschaffung dieses Ministeriums würde vermutlich erst Jahre später auffallen. Aber was leistet man sich nicht alles in einer Überfluss – Demokratur?

Dabei verletzt jedes so genannte demokratische Sprachrohr mit dieser seiner Kommunismus – Verbotsposition bereits die elementaren Regeln der von ihm so eifrig vorgetragenen Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. Braungesprenkelte CSU – Fritzen fordern bereits tatsächlich ein Verbot der Linken, während die der CSU eher verwandte NPD verflixt nochmal nicht verboten werden kann. Wir haben eben einen Rechts – Staat und keinen Links – Staat.

Dass man also Karl Marx und Stalin nicht auseinander hält, ist etwa so taktvoll wie Hitler mit dem rheinischen Kapitalismus zu vermengen, vermutlich noch taktloser. Marx war ein philosophischer Idealist und Stalin ein faschistoider Demagoge.
Aber das ist man ja schon von der Verarbeitung der deutschen Nazi – Vergangenheit gewohnt.
Klaus Barbie, ein hochkarätiger Mörder des NS – Regimes, war offenbar lange ein sehr guter Zuträger des BND, ein IM, sozusagen.
Bücherverbrennungen und Vergasungen Andersdenkender sind bloß ideologische Abgrenzungen.

Auch ist eine christliche Kinderschändung zwar eine “schlimme Verfehlung” , aber doch nur eine Verfehlung. Beichten hilft da beträchtlich. Strafrechtliche Konsequenzen wollen sich da nicht so recht durchsetzen. Auch Staatsanwälte und Richter sind schließlich nur Menschen, also Christen.
Ebenso verhält es sich mit politischen Tunichtguten wie etwa Holger Pfahls, vor dem sich der Richter, der ihm eine Scheinstrafe verabreichte, danach verneigte.
Holger Pfahls war früher übrigens Staatssekretär, Staatsanwalt und Richter und ist gerade wieder verhaftet worden. Ein guter Christ eben. Da hat der ehrfürchtige Knicks des staatlichen Kuttenträgers nicht lange vorgehalten. Es gibt wohl vereinzelt in diesem Land auch Kuttenträger, die der “Würde des Amtes” gerecht werden. Diese sind aber zumindest versetzungsgefährdet, wohingegen eine Karin Wolski – zugegeben als ehemalige Richterin am hessichen Staatsgerichtshof eher ein kleiner Fisch – die Treppen hochfallen könnte.

Ganz schweigen wollen wir über den ehemals ewigen Christen – Kanzler Kohl, dem in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Blackout in Form einer uneidlichen Falschaussage im Flick – Untersuchungsausschuss unterlief, wonach er allerdings ungehindert im Amt bleiben konnte.

Ja, die “Bürgerlichen”, das ist schon ein sauber Völkchen, man will fast sagen, sau-bär. Wir wollen das mit dem Kommunismus doch tüchtig beleuchten, nicht wahr!

Allein schon der offenbar seit Jahrzehnten übliche Wortgebrauch suggeriert, dass so genannte Linksdemokraten dem allgemeinen Bürgertum offenbar nicht angehören. Die Bürgerlichen und die Linken! Ja sind die Linken denn nicht bürgerlich?
Bürger des Landes ist wohl nur, wer politisch rechts ist, wie der landläufig gebrauchte Begriff “bürgerliches Lager” bereits suggeriert.
Das als links klassifizierte Wählertum – also alles außerhalb der CDU und der FDP – ist unbürgerlich. Also auch die Wenigkeit des Verfassers dieser Zeilen. Entsprechend unbürgerlich wollen wir hier vorgehen und vorneweg das im Kern faule Gejaule dieser Anstandsapostel mal näher in Augenschein nehmen.

Dieses ethisch verwahrloste Marktwirtschafts – Christengebrabbel dieser Feierabendhumanisten gehört allemal stärker unter “Beschuss” genommen, als die vernünftelnde “linke” Presse offenbar fähig ist, dies zu tun. Da liebt man eher artige Bettvorleger wie den gut erzogenen Chefredakteur der “Zeit” oder den im Fernsehsessel gefesselten Jauch, den koketten Sloterdijk, die nutz- und wirkungslosen Talk – Mamas Illner, Will, Maischberger und wie die kommenden Aussortierten noch heißen mögen. Aus dieser Richtung droht den “Bürgerlichen” keine Gefahr.
Rührend an der zunehmend reaktionären “bürgerlichen” Seite ist stets, wie entspannt und selbstverzeihend sie mit den eigenen Kellerleichen umgeht und wie streng sie geringste Verfehlungen anderer zu verfolgen und zu ahnden weiß.

Bürgerlich ist, wer heiratet, Jesus lieb hat, Atom – Energie befürwortet, dunkle Hautfarben und fremde Sprachen ablehnt, Frauen als nützliche Haustiere sieht, abends Kinderpornos kuckt oder sie sogar mit dem eigenen Nachwuchs dreht usw.
Oder ist es bürgerlich, andere zu bestehlen, auszustoßen, nachdem man sie betrogen und ihren Saft abgezapft hat? Vielleicht ist es auch bürgerlich, hörige Strammsteher in nutzlosen Kriegen zu verheizen, damit die Waffenlobby Händchen reiben kann. (siehe oben – Holger Pfahls)

Die so genannte Linke – nicht die Partei – ist in der Tat viel unorganisierter als die Rechte. Sie ist auch wesentlich spärlicher, als viele Linke glauben möchten, wie das schwammige postnazistische Geschwülst jener verkniffenen Sarrazin – Visage uns gezeigt hat. Wir sehen uns sehr wohl mit einem rechtslastigen Gesellschaftspotential von etwa 70% konfrontiert, ein Potential, das im günstigsten Fall dazu mobilisiert wird, sich selbst zu zerlegen, um aber zu gegebener Zeit zu verschiedenen populistischen Zwecken abgerufen werden zu können. In der Zwischenzeit halten sich die einen für weiter links, die anderen für eher rechts etc. Man beschäftigt sich halt mit sich selbst. Schließlich meinen alle, eine Meinung zu haben. Die “sozialen Netzwerke” sind voll vom nichtigen Wiedergekäu gut beschäftigter TastenklopferInnen. Wir wollen politisch korrekt bleiben. Man “geht mit der Zeit”.

Dafür, dass man sich von der Alphabetisierung so viel versprochen hatte, sind die Menschen herzlich dumm geblieben. Die Pseudo – Demokratisierung hat zu einem schleichenden Verfall des “Willens zur Macht” geführt, wie ihn Nietzsche artikulierte und man will allmählich verstehen, was jener damit meinte, wenn er die Demokratie nicht gut hieß. Sie schläfert die wichtigsten Impulse ein – zumindest die “real – existierende” Demokratie. Sie ist keine. Wären alle BürgerInnen bereit, so skrupellos wie Josef Ackermann u.a. zu sein, dann wäre keine/r so skrupellos, denn das Bedürfnis nach Selbsterhaltung würde ein “moralinsüchtiges” Wesen wie etwa das religiöse nicht ermöglichen.
Wir haben eine Moral. aber keine Ethik. Die Moral ist der kantsche Imperativ des Müssens ohne Einsicht, weswegen jener auch eher ein verkorkster Fürsprecher des Klerus als ein Philosoph ist, was meist zu Kants Gunsten verkannt wird. Aber wer in der Suppe sitzt, sieht den Tellerrand nicht.

Ethik ist dagegen im einsichtigen Handeln eines gewissenlosen Individuums verwurzelt. Darum gilt auch als gewissenlos, wer keine Moral hat – was korrekt ist. Nur, dass die meisten derzeit Gewissenlosen auch keine Ethik haben. Das ist die zwingende Auswirkung einer gewissens- und moralverpflichtenden Gesellschaft. Der erste Ausbruchsversuch aus dem Kerker der Moral ist nicht bloß gewissenlos, sondern auch frei von jeder Ethik. Erstmal geht es ums Ausbrechen. Wohin, das ist zunächst irrelevant.
Ethik gibt es zurzeit auf diesem Planeten – zumindest bei den Menschen – keine.

Ein gewissenloses Geschöpf kann sehr wohl eine feinfühlige und liebevolle Ethik besitzen. Das zeigt uns die restliche Tierwelt. Kaum ein anderes Tier als der Mensch hat eine Moral und ein Gewissen entwickelt, aber alle kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs, um die Gemeinschaft etc.

Die Existenz ist keine Aufforderung zur Erschaffung von Religionen oder halbreligiösen Staatskonstrukten. Wie kann es sein, dass Staatsleute selbst in westlichen Hemisphären ihren Schwur mit “So wahr mir Gott helfe” beenden? Das ist ein juristisches Unding, betrachtet man einmal allein die deutsche Jurisprudenz.
Rein juristisch muss Gott nachgewiesen werden, damit man sich – eventuell – auf ihn berufen kann. Mancher Amokläufer hat sich bereits auf Gott berufen. Wer garantiert uns, dass Angela Merkel morgen keinen Krieg vom Zaun bricht, weil Gott ihr geholfen hat?

Die so genannte Linke ist also weltweit zwar ansatzweise vorhanden, aber grausam unsortiert. Das sie von der Rechten wesentlich unterscheidende Merkmal, die Artikulation einer eigenen Meinung, gerät ihr hier kurz- und mittelfristig zum Hindernis. In der linken Hemisphäre gibt es stets ein heilloses Meinungsdurcheinander und dazu das entsprechende Gegacker.
Langfristig wird sich so genanntes linkes Denken allerdings durchsetzen. Das zeigt bereits die geschichtliche Entwicklung.
 Aber es dauert zu lange. Es dauert bereits so lange, dass sich die reaktionäre Rechte im neuen Kleid als modernistisch präsentieren kann und so die zarten geistigen Früchte der letzten zwei Jahrhunderte mit aufpolierten klerikalen und politischen Platitüden zu absorbieren droht.
Wollen wir wieder zusehen, wie unsere noch Orientierung suchenden Kinder abermals in die vernünftelnden Fänge skrupelloser Herrschaftsfanatiker mit frömmelnder Ausrichtung geraten, die ihnen früher oder später die Luft zum Atmen nehmen? Weder das geistfreie Gefrömmel, noch die Hetze beim gesellschaftlichen Entsprechenmüssen dürfen die neuen Menschen vergiften. Das wäre der Übermensch des Nietzsche, nicht ein blondäugiges Schwabbelhirn, das zu jeder Gräueltat zu bewegen ist, um später zu sagen: Wir mussten. Wir mussten ja überleben. Ja, überleben kann man auch, ohne andere zu töten – zumindest, wenn man sie nicht essen will. Darum hat man hier in Deutschland 70% latente Nazis, weil Hitler Schuld hat. All die Feigheit versteckt sich hinter einem kleinen Schnurrbart. Das ist die teutonische Geschichtsverarbeitung. Dass am Ende des Tages ein bräunlich – bayrischer Hallodri das Verbot einer Partei Andersdenkender fordert. Und der kritische Blätterwald schweigt.
Wollen wir weiterhin tolerieren, dass wortgewitzte Halsabschneider den Gang der Dinge vorgeben, dass große Räuber als Adlige bezeichnet werden, das geifernde Gierschlunde und duckmäuserische Speichellecker als Vorbilder gelten? Bei aller Dummheit war die Menschheit vielleicht noch nie so klug wie heute. Und Deutschland hätte ein gutes Pflaster sein können, aber es droht in einer frühindustriellen Idiotisierung zu versinken.
Wenn wir dieses aufziehende Jahrhundert nicht dazu nutzen, die Welt klüger zu machen, haben wir nichts Besseres verdient als klugscheißende Händeschüttler, die unseren langfristigen Niedergang als Art verhandeln. Die Regierungen sind nekrophil. Sie bestehen zunächst aus Individuen, die sich selbst die Nächsten sind und nur selten über eine vertretbare Ethik verfügen, da man mit einer solchen meist gar nicht erst in einflussreiche Positionen gelangt. Daher liegt es am Volk zu erwachen und seine eigene Gestaltungsmacht wahrzunehmen. Solange es sich aber in Rechts und Links verzetteln lässt, bleibt alles beim Alten.

Posted in GESELLSCHAFT, MIX, POLITIK.


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