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Weil Adel zum Diebstahl verpflichtet…

Nun ja, die Republik ist bestürzt. Man hat sich zwar noch nicht darüber geeinigt, ob über den Minister Guttenberg oder über dessen intellektuelle Feinde, aber Teutonien ist gespalten.
Nur warum gleich so empört? Es gibt wohl kein Adelsgeschlecht auf diesem Planeten, das nicht durch Diebstahl und räuberische Umtriebe zu Rang und Ehren gelangt ist. So etwas ist Allerweltswissen. Also folgt auch Guttenberg der guten alten Adelstradition. Der Gräfin von Thurn und Taxis gehört bald halb Bayern. Meint denn eine/r, die angeheirateten Vorfahren der guten Frau hätten all die Ländereien durch ihrer Hände Arbeit erworben?

Also gemach! Guttenberg tut nur, was in Adelskreisen recht und billig ist. Auch das Ausschließen kritischer Journalisten von einer mäßig reuigen Pressekonferenz folgt der Tradition. Ein Gutsherr darf nur Wohlgesonnenen Rede und Antwort stehen, denn nur diese garantieren die angemessene Unterwürfigkeit.

Und – sind wir nicht alle ein bisschen Barone und Baronessen? Prinzen und Prinzessinnen? Kleine Diebe und Diebinnen?
Lasst doch den Mann seinen Job tun. Den Tod verwalten.
Guttenberg selbst hat gesagt, das Volk erwarte von ihm, dass er seine Arbeit macht. Das wollen wir ihm glauben.
Die, die hier Ehrlichkeit und dergleichen Tugenden einfordern, seien daran erinnert, dass sie sechzehn Jahre lang von einem
blackout – gefährdeten Kanzler Kohl, einem Unzurechnungsfähigen sozusagen, regiert wurden, an dessen Eigenleistung bei seiner Doktorarbeit seinerzeit auch große Zweifel bestanden, zumal weil der Guteste über keinerlei Englischkenntnisse (“You can say you to me”) verfügte und seine Doktorarbeit vor englischen Literaturhinweisen angeblich nur so strotzt. Schlimmer kann´s nicht mehr werden.

Also seid wahre Christen und verzeiht! Guttenberg bringt alle Qualifikationen für einen würdigen Kanzler mit. Er lügt souverän, stiehlt dummdreist, grenzt Kritiker aus, zeigt keine Reue und sieht bei all dem so richtig wohlgekämmt aus. Merkels Nachfolge ist endlich geregelt. Endlich wieder ein Schröder – Typus.
Denn Merkel ist die Ausnahme unter den Kanzlern. Sie lügt nicht – zumindest nicht bewusst – und beim Stehlen wurde sie bislang auch nicht erwischt.
Ihre Vorgeschichte als Physikerin könnte sie zwar dazu befähigen, in der Atomenergie eine Gefahr zu sehen, aber wir wollen ihr da nicht Lüge unterstellen. Schließlich gibt es auch schlechte bzw. uninformierte WissenschaftlerInnen.
Auch Guttenberg hat ehrliche Ausrutscher, etwa wenn er den Krieg einen Krieg nennt und nicht eine politische Stabilisierungsmaßnahme. Also ist auch er ein bisschen ehrlich. Wie Schröder: Mit dem Krieg oder gegen den Krieg kann man immer punkten.
Man stelle sich eine Republik vor, in der ein Christian Wulff mit seiner Tätowierten Präsident und ein Guttenberg mit seiner Kinderhilfefee Kanzler ist. Der Heilige Stuhl gehört uns bereits. Das nennt man eine gute Verdauung.
Endlich wäre man wieder wer. Außer Exportweltmeister. Jung und Alt gestalten die Zukunft. Die Jungen machen in Politik und die Alten in Religion.

Die linke Kampfpresse soll sich nicht so anstellen. Bewirkt hat sie nie viel.

Wir brauchen Floskelautomaten wie von der Leyen und Druckreifsprecher wie Guttenberg. Wir brauchen auferstandene Gestrige wie Kristina Schröder und smarte Krankheitserklärer wie Philipp Rösler. Und wir brauchen Mama Merkel, die uns nachdenklich klar macht, dass es für viele hart wird.

Ja, der Autor ist abgeschweift. Guttenberg war das Thema. Es ist so schwer, in diesen bewegten Zeiten aufkeimenden Revoluzzertums in den hintersten Winkeln der Erde aufs Wesentliche geschient zu bleiben. Was soll auch dieses Aufbegehren?
Seit wann hat das Melkvieh ein Recht, beim Bau der Melkmaschinen mitzureden?

Ja, Guttenberg. Man frug sich bereits, wie es möglich ist, dass dieser Vorzeigebaron verkappter Royalisten so unbehelligt durch eine Handvoll Skandale hindurchmarschiert, ohne dabei auch nur einen Kratzer abzubekommen. Endlich eine Delle…
Fast hätte man anfangen können zu glauben, es gäbe Heilige. Aber die Delle macht ihn nur verwegener. So ein bisschen Clint Eastwood der früheren Jahre. Nicht mehr der Makellose, nein, kleine, wohlgesetzte Narben machen das Mannesantlitz noch sexueller. Ein echter Stoßbulle kommt nicht aalglatt daher. Und der Colt hängt jetzt ein Stück weit tiefer…

Abermals droht der Autor abzuschweifen, denn ähnlich geschieht es allmählich Angela, nein Kristina, nein Ursula von der Leyen, die zusehends zum lächelnden Monster mutiert, das partout keine Träne ins Auge kriegen will, wenn es das Wort “Kinder” über seine starren Automatenlefzen schiebt. Es gibt keine bessere Warteschleifensprecherin auf dem Globus als Ursel. Auch eine Geadelte.

Man hat also zurzeit in der deutschen Regierung eine Potenzierung des Adels, einen “Von und Zu” und eine “Von der”, nicht bloß “Vons”. Endlich normalisiert sich also der politische Betrieb wieder. Jede/r dorthin, wo er oder sie hingehört.
Nach dem Dritten Reich konnte sich ja auch kein anständiges Adelsgeschlecht mehr ernsthaft in den Politikbetrieb einschalten, zumindest nicht offen. Lambsdorff war da die unanständige Ausnahme, die Ewigkeit hab ihn selig – und Opa zu Guttenberg, offenbar auch ein seliger Karl – Theodor, vor vierzig Jahren Minister. Ach, was dreht sich das Rad … dann doch nicht.

Es ist nicht allein die Kaltschnäuzigkeit eines Provinzbarons, sondern der frömmelnde Blick eines genügsamen Volkes, der das Emporsteigen solcher Vorzeigeparvenus ermöglicht.
Es ist die dreiste Verdummung durch ein eingespieltes System hierarchischen Denkens, also der subtilen ideologischen Unterwerfung, das in diesem Land besonders ausgereift ist. Das Oben und das Unten, das Katzbuckeln und das Treten regieren über die demokratische Theorie. Der Geltungswahn der Vielen ist es, der dem Schein den Weg ebnet.
Darin liegt die Beeinträchtigung selbständigen Denkens und darin wiederum die große Gefahr für die Freiheit. In diesem Land gilt das fügsame Einreihen in die scheinbar unumstößliche Rangordnung als höchstes Ziel der Selbstverwirklichung.

Posted in GESELLSCHAFT, MIX, POLITIK.


One Response

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  1. Feliks Dzerzhinsky says

    Das ist doch kein Diebstahl, wenn man durch verdecktes Zitieren obskuren Journalisten durch die unweigerliche Aufdeckung eine Plattform bietet, ich bitte Sie!
    Das hat der arme Mann nicht verdient:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!



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