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Lena, das Mädchen mit dem Stock im Bauch

Wie viele Jahrhunderte muss man sich noch Stefan Raabs Rottweilergebiss auf allen Kanälen ansehen?
Und – droht uns die Raabsche Fernsehdiktatur? Man sehnt sich nach einem Verriss dieses peinlichen Narzisten, der uns am liebsten auch noch im Schlaf erscheinen würde, wenn es dort noch einen freien Sendeplatz gäbe. Gegen Raab nehmen sich selbst Gottschalk und Jauch bescheiden aus.
Es drängt einen, Ursachenforschung zu betreiben, warum ein weitgehend humorfreier, rhetorisch hinkender Fernsehprolet derart erfolgreich sein kann, dass er sogar eine gewisse Deutungshoheit über die Qualität von Pop-Musik im deutschsprachigen Raum erlangt.

Wie kann sich ein ganzes Volk ein aufgekratztes, talentfreies Gör mit einer zitternden Puddingstimme als großen Wurf verkaufen lassen? Wo sind wir angelangt, dass – ungeachtet des niedrigen Niveaus der Eurovision – andere KünstlerInnen widerspruchslos vom Wettbewerb ausgegrenzt werden?
Und – wo sind die Musik – Kritiker, die dieses putzige Lenchen mit echten Sängerinnen vergleichen?
Neulich hat Barbara Schöneberger, die man zwar nicht mögen muss, die aber leidlich singen kann – allemal leidlicher als Lena – artig in den Raum geworfen, das Publikum fürchte sich vielleicht vor Stefan Raab. Ja, nicht nur das Publikum. Die gesamte Presse traut sich offenbar nicht, Raabs zudringlichem Gestammel über die Talente dieser Lena mal ernsthaft Einhalt zu gebieten. Dabei errötet selbst Raab schon regelmäßig bei seinen Behauptungen. Ein echtes Schamgefühl will sich bei ihm aber nicht einschleichen.

Es hat den Anschein, als brächte man die Republik gegen sich auf, wenn man etwas gegen dieses von Zuckungen heimgesuchte, falsettgeplagte Rhythmusmonster verlautbarte. Hier lässt sich ein ganzes Land eine musikalisch bemitleidenswerte Trällergöre als großes Talent verkaufen. Wie ist das möglich?
Schuld ist vermutlich diese leidige deutsche Identitätsfindungsgeschichte, dieses notorische Geltungsbedürfnis. Dieses unaufhaltsame Jaulen nach jeder Form der Beachtung, koste es auch noch die letzte Selbstachtung. Seht her – soll es wohl heißen – seht her, wie goldig wir sind, wie unbekümmert und locker! Und wie begabt! Wir haben und sind alles. Wir sind Fußball – Weltmeister der Herzen, Export – Weltmeister, Bankenrettungs – Weltmeister, Papst und Singsang – Europameister.
Eine gute Fussballmannschaft zum Objekt nationalistischer Begierden zu machen, ist zwar fragwürdig, hat aber für manche Gesellschaftskreise noch etwas Identitätsstiftendes. Eine schlecht singende und tanzende, betont zerstreute Göre zum Objekt des Nationalstolzes zu machen, deutet aber das eigentliche Ausmaß der seelischen Katastrophe dieser minderwertigkeitsgeplagten Nation an.
Nun, verklemmte, schlecht singende Teenies gibt es in Deutschland vermutlich einige. Aber die avancieren nicht alle zur Jeanne D´Arc des deutschen Pop.
Wie soll nun dieses Mädchen je locker werden, wenn eine ganze Nation seine Verklemmungen als liebreizend preist?
Nein, es ist nicht schön, sie tanzen zu sehen und auch nicht, wie ihr die eigene Stimme entgleitet.
Jedes Mal, wenn sie eine Zeile einigermaßen unverzittert über die Bühne gebracht hat, denkt man – ja, geschafft. Und dann setzt sie gekonnt ein neues Falsett.

Auch der Autor ist des Fremdschämens fähig – zumal selbst musikalisch tätig – und wünscht keinen KünstlerInnen Peinlichkeiten. Wenn einem aber eine Person, die es offenbar nicht kann, fortwährend als Bombentalent verkauft werden soll, dann regt sich im Musiker doch leichter Ekel. Vor allem jener Stefan Raab, der zwar ein schlechter Talkmaster, aber ein durchaus guter Musiker ist – oder besser, war – versetzt einen in Erstaunen, wenn er behauptet, dies sei eine gute Sängerin.
Man müsste nahezu die gesamte Pop – Geschichte ungeschehen machen, um die Darbietungen der Lena Meyer – Landrut gut zu finden.
Und dann dieses hannoversche Katastrophen – Englisch. Da werden sich dereinst noch ganze Generationen von Englischlehrern in ihren Gräbern unruhig wälzen. Einfach zum Knuddeln.

Etwas Gutes hat auch das alles: Der Grund für das schlechte Abschneiden der Deutschen bei der PISA – Studie wird dem Verständnis eher zugänglich, wenn man sieht, wie gut deutsche Abiturienten in Englisch sind. Nur können die meisten Deutschen das mangels notwendiger Englisch – Kenntnisse leider nur begrenzt beurteilen, weswegen wiederholt englische Journalisten darauf aufmerksam machen mussten (siehe die oben als Links gekennzeichneten Zeilen).

Der Himmel müsste Sturzbäche bitterer Tränen weinen, was er denn auch während der ganzen Lena – Hysterie tat. Tränen weinen über der Schmach der Deutschen, die der D-Mark verlustig wurden und nun vielleicht sogar des Euros. Ja, was kommt denn dann – das Tauschgeschäft?
Lena, Stefan und Jogi werden´s richten. Und Angela wird Mesut und Schweini wieder in der Kabine besuchen… Und Ackermann darf wieder im Kanzleramt Geburtstag feiern. Und das Präsidentenpaar Wulff macht Ferien beim Klinkenputzermessias Maschmeyer. Undundund…
Das ist mir ein Völkchen!

Posted in GESELLSCHAFT, MIX.


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