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Sumpf ist Trumpf

Im schönen Mainz schlägt gerade wieder die Vergangenheit zu. Diesmal hat es die aufrechte CDU erwischt. Als man sich bereits anschickte, Kurt Beck bei der Landtagstür hinaus zu tragen, kamen zuerst diverse Ausspähaktionen von CDU – Politikern gegen SPD – Leute ans Licht, dann tauchten plötzlich Puffbesuche, vor allem aber deren Honorierung mit der Check – Karte der Landtagsfraktion an die Oberfläche. Zu guter Letzt steht nun der Verdacht im Raum, der ehemalige Kandidat auf die Ministerpräsidentschaft, Christoph Böhr habe zumindest seinen Wahlkampf illegal aus der Fraktionskasse finanziert, sich aber womöglich sogar der Veruntreuung von Fraktionsgeldern schuldig gemacht. Da hatte man sich so schön in Position gebracht und jetzt schwimmen die Leichen auf dem See.
Zuerst musste der Abgeordnete Dincher einräumen, er habe als ehemaliger Polizist seine Kontakte zur Polizei missbraucht, um SPD – Politiker illegal zu durchleuchten. Dann musste der Abgeordnete Billen einräumen, mithilfe seiner Tochter, einer Beamtin, Ähnliches in der Nürburgring – Angelegenheit gegen die SPD unternommen zu haben, eine Angelegenheit, deretwegen dem wählernahen Kurt Beck allmählich das Objekt seiner Nähe abhanden zu kommen drohte. Nun aber scheint es, dass ihm sein Wählervolk doch noch eine Weile erhalten bleibt, da die CDU viel zu sehr damit befasst ist, sich selbst zu zerlegen.
Aber das sind ja noch Petitessen. Etwas bedrohlicher wurde es, als der ehemalige Fraktionsgeschäftsführer der CDU, Markus Hebgen, ehemals enger Vertrauter des gegen die Wand gefahrenen Beck – Widersachers Christoph Böhr, wegen diverser Finanzdelikte ins Kreuzfeuer geriet, um dann auch zum Protagonisten in der Puff – Geschichte zu avancieren. Hebgen hatte sich in mehreren Fällen aus den Kassen selbst bereichert, die er zu beaufsichtigen hatte, welches Missgeschick ja schon manchem Christen widerfahren ist. Dass aber einer die Bordell – Rechnung mit der Fraktionskarte bezahlt, hat eine eigene Qualität.
Nun gut, das ist alles nicht sonderlich rühmlich, aber der gute Hebgen scheint noch eine Rechnung offen zu haben – mit seinem alten Chef Christoph Böhr. Unabhängig von dem Ungemach, das ihm nun selbst droht und mit dem Böhr nicht eigentlich etwas zu tun hat, setzt nun Hebgen die Behauptung in die Welt, Böhr habe seinen Wahlkampf gegen Kurt Beck illegal aus der Fraktionskasse finanziert uzw. mit der beachtlichen Summe von €386.000. Sollte das nun wahr sein, drohen der Mainzer CDU – Fraktion Strafgelder von über einer Million. Das Geld ist wohl an die ehemalige Beratungsfirma C4 des Hamburger Staatsrats und zukünftigen Hamburger Finanzsenators Carsten Frigge gelangt, der dazu natürlich wie ein Grab schweigt. Hebgen behauptet, Frigge und Böhr seien der Ansicht gewesen, man solle den Nachfolgern nach einer verlorenen Wahl keine vollen Kassen hinterlassen. Das klingt, als hätten da welche bei der Beuteteilung geschummelt und als wäre jetzt einer – Hebgen – sauer.
Der Hamburger OB Ole von Beust hatte wohl den Kontakt zwischen Frigge und Böhr hergestellt, also kam das Geschäft ins Rollen. Was konkret mit dem Geld gemacht wurde, ist nicht nachvollziehbar, da der Leistungsnachweis von C4 für die oben genannte Summe schlicht unauffindbar ist und man sich kreuz und quer gegenseitig der Unterschlagung dieses Nachweises bezichtigt.
Markus Hebgen will nun offenbar nicht allein baumeln und holt zum Rundumschlag aus. Die Staatsanwaltschaft prüft bereits seit einer Weile dessen Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt. Christoph Böhr wird sich zwar darüber nicht freuen, hat aber zumindest politisch keinen Schaden mehr zu fürchten, da er diesbezüglich ohnehin einen Totalschaden erlitten hat. Für Carsten Frigge könnte das Ganze allerdings ziemlich unangenehm werden, zumal er nun als Finanzsenator die Hamburger Kassen hüten soll.
So zieht also der Sumpf seine Kreise und man darf gespannt auf den Prozess gegen Hebgen sein, der in Kürze beginnt.

Posted in MIX, POLITIK.


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