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Neues von Zensursel

Ursula von der Leyen, im Vorzeigen besorgter, verständnisvoller Gesichtsmienen und Emanieren politisch markanter Luftblasen einsame Spitze, hat die Methode, die Arbeitslosenstatistik zu schönen, ohne dass die involvierten Arbeitslosen auch tatsächlich Arbeit haben, um einen wichtigen Schritt perfektioniert.

Wenn bisherige so genannte Maßnahmen wie etwa verschiedene, für die Arbeitslosen weitgehend nutzlose Kurse zumindest den Kursveranstaltern nützlich waren, sich aber in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen bewegten, so schlägt von der Leyen jetzt bei den Alleinerziehenden gnadenlos zu. Ein halbes Jahr lang sollen diese in täglich sechs- bis siebenstündigen Kursen anständiges Benehmen und Bewerben – kurzum – “soziale Kompetenz” erlernen, um dann vielleicht doch an die Jobs zu kommen, die es nicht gibt.

Da will man sich schon fragen, was den Arbeitslosen da den lieben langen Tag erzählt wird. Bei einer Anwesenheit von sechs Stunden pro Wochentag ergibt das ein Aufkommen von 720 Stunden in einem halben Jahr. Nach einer solchen Bildungsoffensive zugunsten der Arbeitslosen dürfte jeder von diesen die politische Kaste in Sachen sozialer Kompetenz um Längen hinter sich gelassen haben, denn welches politische Personal hat schon 720 Stunden Unterricht in sozialer Kompetenz erhalten?

Es wäre also interessant zu erfahren, was sich die staatlichen Arbeitsagenturen das kosten lassen und ob hier nicht vielleicht auch Seilschaften in die Privatwirtschaft zum Tragen kommen. Denn eines dürfte klar sein: Solche Seminare sind für die Veranstalter sehr lukrativ.

Streng besehen könnte man das mit allen Arbeitslosen machen. Ein neuer Beratungsmarkt für das Prekariat würde sich etablieren, was dem Staat einen beträchtlichen Teil des Geldes, das die ARGEn an diese Beratungskartelle zahlen, in Form von Steuern wieder in die Taschen spülen würde – und es gäbe keine Arbeitslosen mehr. Dem ganzen prekären Pack würden in einem riesigen Akt einer völkischen Zwangsbildungsmaßnahme endlich anständige Benimmregeln beigebracht und es würde auf Nimmerwiedersehen aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden. Im Land würde Vollbeschäftigung herrschen.

Bisherige Kurse dieser Art erstreckten sich über 4 – 8 Wochen, sechs Monate ist da schon frech, wenn man bedenkt, dass diese Personen aus der Statistik verschwinden, ohne Arbeit zu haben und ohne auch nur einen Heller mehr zu erhalten, wie das bei Ein-Euro-Jobbern zwar schändlich, aber immerhin der Fall ist.
Perfide ist zudem, dass die betroffenen Alleinerziehenden von ihren Kindern ferngehalten werden, deretwegen sie angeblich in “sozialer Kompetenz” geschult werden sollen, denn die Eltern glänzen dann 6 – 8 Stunden am Tag mit Abwesenheit, ohne jedoch wie normale Arbeitnehmer etwas in die Familienkasse einzubringen. Vielleicht aber verfolgt von der Leyen ein anderes Ziel, nämlich anderen Eltern ihre eigene Familienphilosophie aufzuzwingen: viele Kinder zu haben, für die man nur wenig Zeit hat.

Der psychologische Effekt dieser Seminare dürfte bei den arbeitslosen Alleinerziehenden verheerend sein. Viele von ihnen haben bereits mehrere dieser Maßnahmen hinter sich und sind im Bilde über den Nutzeffekt solcher Seminare. Machtlos den Schiebereien statistischer Kosmetik ausgeliefert, werden sie noch mehr im seelischen Morast von Motivationslosigkeit und Depression versinken.

Eine weitere Spitzfindigkeit stellt die von der Ministerin angestrebte Chip – Karte dar, die zumindest die Kinder von Arbeitslosen verlässlich outet – und die wohl viel billiger würde, als eine Neuberechnung der Sätze für Erwachsene und Kinder, wie dies vom BGH gefordert wurde. Wenngleich man sich nämlich seit dem Urteilsspruch aufseiten der Regierung ständig daran geklammert hat, der BGH habe nicht ausdrücklich von einer Erhöhung gesprochen, so müssen die Regierenden doch befürchten, eine seriöse Analyse des individuellen Bedarfs könnte zu einem Ergebnis gelangen, das eine Erhöhung der Sätze nahe legt.

Sollte von der Leyen eines Tages Merkel beerben, so werden sich manche nach der sanften Gewalt der Uckermärkerin zurücksehnen, denn die kantige, ja geradezu furchteinflößende Gouvernante mit den blonden Strähnen kann durchaus als Hardlinerin bezeichnet werden, politisch rechts angesiedelt, tief im wirtschaftlichen Bewusstsein der Sechziger verankert und mondän im Ersinnen sozialpolitischer Ungetüme oder auch demokratisch bedenklicher, aber populistisch durchaus wirksamer Maßnahmen, weswegen sie schließlich den Beinamen “Zensursula” trägt.

Man sollte nicht alarmistisch werden, aber wie ein personeller Zugewinn in Sachen Demokratie will einem Ursula von der Leyen nicht erscheinen. Sie ist eher der Typus der schneidigen Rechten mit einem beeindruckenden Talent, weiten Teilen des Volkes sehr vernünftig zu klingen, während sie ihre häufigen Zumutungen an die menschliche Vernunft artikuliert.
Prädikat: ganz schön putzig.

Posted in MIX, POLITIK.


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