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Christlich-abendländischer Blödsinn

“Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht”, sagt Merkel.
Soweit bekannt, ist Merkel nicht berufen, die christlichen Werte, sondern die der Demokratie hochzuhalten. Die Idee der Demokratie, die sie zu leben vorgibt, ist älter als die des Christentums und überdies ethische Grundlage des Staates, den sie zu lenken meint und auf den sie einen Eid geleistet hat.
Das “christliche Menschenbild” hat dieser demokratisch Gewählten also bestenfalls ein persönliches Anliegen zu sein, nicht aber eines, das sie als politische Person, also im Amt zu vertreten hat.

Die Abgrenzung des Deutschtums zum Islam geschieht derzeit wesentlich durch Berufung auf “christlich – abendländische” Werte. Wenn Christentum und Islam sich voneinander abgrenzen wollen, so mögen sie dies privat tun. Eine säkularisierte Gesellschaft diskutiert mit keiner von diesen Glaubensrichtungen über die ethischen Grundlagen, die die Umtriebe dieser Glaubensrichtungen überhaupt ermöglichen.

Nur die höhere ethische Freiheit einer toleranten Gesellschaft macht es möglich, dass religiöse Fundamentalisten aller Glaubensorientierungen überhaupt so nahe aufeinander treffen können, wie dies in Europa geschieht.

Zum Unterschied von anderen Erdteilen ist Europa ein Schmelztiegel ethnischer und religiöser Strömungen. Gerade nicht – religiöse Ideologien wie die “Demokratie” der Antike oder die Aufklärung haben auch den Religionen einen legitimen ethischen Rahmen geboten, sich einigermaßen nebeneinander zu entfalten. Genauso ermöglicht dieses Europa nationaler Bastarde allen, national die zu bleiben, die sie meinen zu sein und andere näher zu erspähen.
So besehen, hat der so geschmähte Islam die höhere Freiheit wohl erkannt und nutzt die Räume. Das tut das Christentum nicht minder. Aber alle tummeln sich wohlgemerkt im Becken der weiteren Ethik einer in zweieinhalb Jahrtausenden gewachsenen, unreligiösen “Demokratie”, die seit ihrer Erfindung neun Zehntel der Zeit damit verbracht hat, sich einigermaßen durchzusetzen.

Das zumindest ideelle Vordringen der menschlichen Kultur zu einer Gesellschaftsform, welche die religiöse wie die nationalistische Anschauung transzendiert, demonstriert durchaus eine generelle Tendenz des Menschengeistes, sich vom Joch der Religiosität und des Nationalismus befreien zu wollen.

Jahrtausende der Ideen haben dazu geführt, dass die demokratische Ethik die Moral der Religionen und der Nationalismen integriert und über sie hinauswächst. In ihr finden die diversen ideologischen Bewegungen statt. Und sie hat überhaupt zu einer Idee des säkularisierten Staats geführt.

Ziemlich unbemerkt werden wir in Europa von Inkompetenten in ethisch rudimentären Angelegenheiten der Demokratie regiert. Ethische Kompetenz ist hier in der Tat nicht der Maßstab für die Auswahl der Volksvertreter. Es ist müßig und undankbar, die grausige Qualität präsenter Volksvertreter zu beweinen.

Was die populistischen Idiotien des Seehofer betrifft, so ist diesem unter die Nase zu reiben, dass eine Liebe zu einem beliebigen Land immer gleichbedeutend mit der Bereitschaft war, für eine Scholle zu sterben, die es einem nicht dankt. Wie sollte auch ein Klumpen Erde danken können? Oder ist Seehofer dieser Klumpen Erde, der einer weinenden Mutter den Verlust ihres Sohnes oder ihrer Tochter dankt und schmackhaft macht?

Es ist natürlich bedenklich, dass zwei Drittel der Deutschen in unterschiedlichem Maße zu chauvinistischen Ansichten neigen, aber immerhin ein Drittel ist davon durchaus frei.
Das ist weitaus mehr als früher.

Posted in GESELLSCHAFT, MIX, POLITIK.


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