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Giovanni, Giovanni

Na, endlich hat sich auch der Vorzeige – Spaghetti der deutschen Intellektuellen – Integration mal so richtig ans Knie gestrullert. Nicht dass unsereins von sonderlicher Schadenfreude beseelt wäre, aber man meinte bereits, dieser sachte welkende Dackel des klug nichtssagenden Helmut Schmidt würde ins Himmelreich der Fehlerlosen eingehen. So sensibel, wohlerzogen, bescheiden usw. Aber einem Hochstapler wie Guttenberg ein solches Forum zu bieten, ist beachtlich – sagen wir – dumm.

Und – endlich rückt die “Zeit” dort hin, wo sie hingehört. Ein watteweiches Windelblättchen, das mal so, mal so windet.

Di Lorenzo. Man schmeckt die Kräuter auf der Pasta. Das mag man in Teutonien: einen Hauch Toscana im deutschen Einheitsgrau, aber artig, nicht so mafiös und verhurt wie Berlusconi, eher deutsch, mit römischem Beiklang. Und sehr gelungen integriert – ein Bilderbuchschwiegersohn.
Und dann wiederum sehr überzeugt von der Bedeutung seiner medialen Präsenz, zielorientiert in bester Teutonentradition. Von Herrchens Gnaden Miniaturchef der notorisch artigen “Zeit”, dazu endlos gediegene Schwätzchen in einer dieser endlos gediegenen Talkshows des wohlgenährten, nutzlosen Nähkästchen – und Dampfplauderertums zahnloser Selbstverliebter. Ein echter Haudegen eben.

Nun ja, Giovanni, es ist hart in diesen Tagen.
Dann wagt man mal was – und dann das.
Auf einen halbtoten Gaul zu setzen zeugt eben nicht von großem Gespür.

Aber Giovanni, such dir eine kleinere Zeitung, die nicht so auf Linie gebracht ist wie die “Zeit” und vielleicht wird dann alles guter.

Am gutesten wäre es allerdings, du ließest erstmal die Griffel von uninspirierten Interviews mit Halsabschneidern. Bringt zwar weniger Publicity, aber mehr Würde.

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PANZERFAUST ANGOLA MERKEL

“…der Tod ist ein Meister aus Deutschland…” (Paul Celan, “Todesfuge”)

Man glaubt es nicht, was in so einer Merkel alles steckt. Dabei muss man ihr dankbar sein, denn kein Kanzler vor ihr hat so unumwunden, so dummdreist und offensichtlich Klientelpolitik betrieben. Merkel macht sich stark für die Atomindustrie, verschiebt Panzer nach Arabien und verkauft Patrouillenboote nach Angola. Fast bekommt man den Eindruck, Merkel bereite ihren Abgang vor. Noch mal schnell die eigene Klientel bedient – und dann ab in die Wüste. Wer weiß, was die Saudis ihr versprochen haben? Bei Gerhard Schröder und Joschka Fischer war das ja ähnlich.
Dazwischen noch schnell den amerikanischen Friedenspreis eingeheimst, dafür dass sie die gezielte Ermordung von Kriminellen gut findet, wofür sie vom Auftraggeber des Mordes, Obama, mit besagtem Friedenspreis ausgezeichnet wurde – was für eine Welt.
Mit etwas gutem Willen könnte man in Merkel auf Umwegen eine Aufklärerin vermuten, eine Enttarnerin aller politischen Missstände, die sie durch ihr eigenes Handeln offenlegt, denn sie entlarvt das Katzbuckeln der Politik vor der Wirtschaft in einer bemerkenswerten Weise. Man entsinne sich etwa der Ackermann – Geburtstagsparty im Kanzleramt.

Im politischen Alltag ist Merkel dennoch eine wandelnde Machtdemonstration, eine “Panzerfaust”.
Merkel sägt die Polit – Konkurrenz in einer Weise ab, dass selbst Helmut Kohl vor Neid vergilben könnte.

Merkel hat Personal, das den Armen ihre gesellschaftliche Ausgrenzung als Integration (Von Der Leyen) oder dem Volk seine Schröpfung durch die Pharma – Industrie in einem gefälligen Ton verkauft, von einem äußerst smarten Schmolllippchen vorgetragen (Rösler). Sie hat eine Frau im Kabinett, die die Eindämmung der Frauenrechte anmahnt (Schröder) und eine graue Maus zum Außentourist (Westerwelle), damit sie selbst auch dieses Amt füllen kann. Ach, dann hat sie noch Anette Schavan und Ilse Aigner, von denen man sich zu Recht fragt, wer die seien.
Wenn es sein muss, umgeht sie ihr ganzes Kabinett und unterzeichnet im Morgengrauen eine Abmachung mit den Atomkonzernen, die womöglich nicht mal ihre willfährigen Kabinettsvögel in ihrer Gänze mitgetragen hätten.

Das Merkel – System ist anonym. Das macht es so schlecht greifbar. Wären Merkels Ziele edlerer Art, man könnte sie für ihr Gespür fast bewundern. Dass sie aber ihre Qualitäten derart provozierend in die Dienste der Korruption mit ihren mannigfachen fatalen gesellschaftlichen Folgen stellt, hat etwas in gehörigem Maße Verwerfliches. Ihr begnadet schlechter Geschmack beim Aussuchen der eigenen Garderobe, mit der sie die Nachteile ihrer Silhouette stets geschickt zu betonen weiß, scheint nicht eine Facette, sondern ein markanter Charakterzug dieser Person zu sein. Es entbehrt letztlich jeder Berechtigung, diese Person aufgrund ihres wissenschaftlichen Vorlebens als klug zu bezeichnen, eine gern bemühte Randnotiz. Bei den Akademikern gibt es prozentual genau so viele Stümper, wie beim “Fußvolk”. Die nicht enden wollenden Löschungen von Doktortiteln – zumal in den Reihen der Politiker – demonstrieren das eindrucksvoll. Und wenn eine Physikerin Merkel die Atomenergie kurz vor der Katastrophe von Fukushima als sauber preist, dann ist das beeindruckend stümperhaft – und unglaublich respektlos. Es zeugt von einer schier aberwitzigen Verachtung jenen gegenüber, die sie zu vertreten hat.

Merkels zweifelsfrei neue Generation von Politikern hebt sich von der Vorgängergeneration durch einen offenen Opportunismus ab, für den sich keineswegs geschämt wird. Es wird mit diesem sogar kokettiert. Helmut Kohl hätte bei einer Atomwende, wie sie Merkel nach ihrem atomaren Lobbyismus – GAU vollzog, seine Probleme gehabt. Merkel gibt sich erkennend, bringt die braven Grünen an die Leine und holt zum nächsten Schlag gegen den Frieden aus.
Wenn die Deutschen es schaffen würden, diese Frau zu konstruktivem Handeln zu bewegen, sie hätten eine Kanzlerin auf Lebenszeit.
Merkels MinisterInnen sind ähnlich wie sie gestrickt. Frei von gesellschaftlichen Idealen, in jeder Faser ihres Wesens und um jeden gesellschaftlichen Preis dem persönlichen finanziellen Erfolg verschrieben bzw. korrupt.

Sollte in ein paar Monaten in Arabien eine Ehebrecherin vor das Rohr eines deutschen Panzers gebunden werden, dann ist es geradezu gewiss, dass Merkel gegen deutsche Panzer marschieren wird. Und sie wird sich auf die Fahne schreiben, jene zur Strecke zu bringen, die das ermöglicht hat.

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Bin Ge – Laden

Es freut das Künstlerherz, wenn die parfümierten Idioten der politischen Belle-Etage bei brisanten Themen ihre Unfähigkeit demonstrieren, wenn das hochgekrochene Speichelleckertum seine Niedertracht nicht mehr zu verstecken weiß und im Rausch des Populismus in geradezu wahnwitziger Weise kalauert.
Es ist köstlich, wenn eine Merkel – eine händefaltende Protestantin – einen Mord gutheißt.
Aus Sicht eines mündigen Bürgers ist es allerdings beängstigend, wenn die Hauptvertreterin eines Volkes, das sich Freiheit und Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben hat, den heimtückischen Mord am Gegner für legitim befindet.
Wenn die USA, ein ambivalentes Staatengebilde mit krass mittelalterlicher Tendenz und armseliger Kultur, auf den Straßen tanzen, dann ist das deren Sache.
Dass sich aber die Führerin der Deutschen öffentlich über einen Mord begeistert, ist ein Rücktrittsgrund für diese Regierungschefin.
Die deutsche Presse ist zwar hoch agitiert über Merkels dumpfes Bekenntnis zur Tötung, die ethische Konsequenz wagt sie aber nicht zu formulieren.
Diese Person muss sofort zurücktreten. Sie hat sich öffentlich für das von ihr bekleidete Amt disqualifiziert.
Wenngleich es schon viele Ansätze zu einer solchen Forderung im Hinblick auf Frau Merkel gab, so war doch keiner so offenkundig und vor allem ethisch nicht so gravierend wie dieser Fauxpas.
Die penetrante Inschutznahme eines kleinen Hochstaplers wie etwa Guttenberg – also Fürsprache für Betrüger zu halten – wäre bereits ein Rücktrittsgrund gewesen. Mördern beizupflichten, umso mehr.
Wir fassen zusammen: Angela Merkel betrachtet die Taten von Betrügern und Mördern als vertretbar, zuweilen gar als erfreulich. Und ist zu allem Überfluss Chefin eines Landes, das aus dem Mord und Betrug an Minderheiten gelernt haben will.

Wenn die Physikerin Merkel ausreichend unverschämt war, die Atomwirtschaft wider besseres Wissen infam zu begünstigen, wenn sie die Armen mittels ihrer Arbeitsblondine noch ärmer werden lassen will, dann sind das zwar Gründe, ihren Abgang zu fordern – im Angesicht einer gespaltenen Gesellschaftsauffassung jedoch schwer durchsetzbar, da sich diese schlecht gekämmte Vogelscheuche zu gut verstecken kann. Wenn selbige aber auch noch den Mord befürwortet, dann ist das Maß eigentlich voll, sollte man meinen.
Aber das teutonische Hirn ist zu maßvoll. Man wägt hin und her, ist kritisch, zuweilen gar gemein – aber zur ultimativen Gemeinheit, dieses nutzlose Geschöpf am Kopfe des Staates zu entzaubern, kann man sich nicht durchringen.
Dazu ist doch alles in diesem wohlgesättigten Land zu sehr ineinander verwoben.
Es sind die, die “Freiheit” schreien, wenn kein Lüftchen weht und Dreck fressen, wenn es eng wird. Und davon gibt es in diesem Land Millionen.
Der zaghafte Umgang selbst der Presse mit etwa der unentschuldbaren Verfehlung der Kanzlerin zeigt den unentschuldbaren Geist dieser deutschen Gesellschaft, die sich eines Heinrich Heine nie rühmen dürfte, wäre sie ehrlich.

Blödsinnige Rachsucht religiösen Charakters kennzeichnet unsere Zeit. Und man wird hier landauf landab nicht müde, die Gleichberechtigung der Religionen zu diskutieren. Und gleichberechtigt gehören sie alle auf den Müll der Geschichte.
Für eine solche Aussage kann man von Religiösen aller Couleur schon mal ausgepustet werden, aber es ist auch an der Zeit, mal zu sagen, dass Religion und Fanatismus nicht getrennt buchstabiert werden können. Religion ist ein Urprodukt des Fanatismus.

Es ist eine freundschaftliche Toleranzbemühung, den “Gläubigen” ihr Himmelreich zu lassen, denn mehr als die Hölle können diese dem Himmelreich eh´nicht abgewinnen. Das wäre weiter nicht tragisch, wenn diese höllischen Himmelsreiter damit das eigentliche Himmelreich nicht besudelten.

Dass die Hölle fiktiv, der Himmel aber wahr ist – davon zeugt unser Blick auf den Abendhimmel. Vom Mars besehen, ist die Erde im Himmel. Ebenso von allen anderen Familienplaneten der Sonne aus. Und von allen Nachbarsonnen und Nachbargalaxiensonnen und allen Planeten derselben.
Wozu die ganze Suche, wenn wir hier die Rache zum Gesetz erheben?
Womit wollen wir tuchumwickelten Heißsporns ein Beispiel sein? Mit Mordlust? Mit Rache?

Mit welcher Berechtigung machen Religionen einen solchen Wind um sich? Was haben Pfaffen aller Art bis hin zum Papst in einem sekularen Staat verloren? Wo sind wir hier? Warum werden um Ostern oder Weihnachten herum stundenlange “Gottesdienste” ans Volk ausgegossen? Von sekularen Sendern, die ihr Zwangsgeld vom zum großen Teil unreligiösen Volk beziehen? Sind das vielleicht die kleinen “Merkel”, die da Regimente führen? Die Racheengel, die sich hochgedient haben? Die jene Vergeltung predigen, die letzten Endes Tod heißt? Was soll das Gefrömmel?

Wollen wir immer noch nach Amerika? Wo einen selbst von den Banknoten deren Gott anspringt. Und da sollte man behende im Zurückweichen sein, denn der amerikanische Gott kommt mit tief geschnalltem Colt daher. Weg mit dem albernen Weltmachtgeschwätz!

Der am wenigsten religiös verseuchte Erdenfleck ist Europa. Seht nach Osten und nach Westen! Allerorts hirnverbrannte Götzenkläffer.
Da aber, wo der Gläubigenstand am niedrigsten ist, da ist die Kultur am feinsten.
In Europa gibt es geschätzt etwa 50% überzeugte Atheisten, von denen zwar zum Teil noch einige rituelle Maßnahmen der Religion mittragen, in deren Alltag und Lebensauffassung aber Religion keinen Einlass findet.
Wir haben also den Sachverhalt, dass sich eine Gesellschaft desto besser entwickelt, je geringer ihr Anteil an religiösen Geschöpfen ist. Das wäre ein Grund, Religionen zu verbieten. Aber das hilft ja nicht.
Man kann eine Denkweise nicht verbieten. Man muss sie ideologisch ausmerzen. Der Geist der Religion an sich muss sterben. Und da hilft nur Erkenntnis.

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Lallende Greise, die charmant beleidigen

Zu den bedeutenden Einlassungen des späten Helmut Schmidt

Das ist das Niveau eines toten Geistes der selbsternannten Dichter und Denker.
Es mag dieser Helmut Schmidt ein würdiger Staatsmann gewesen sein, worüber sich wesentlich die konservativeren Geister einig sind, aber einen selbstgefälligen beinahe Hundertjährigen zu Rate zu ziehen, spricht für die Orientierungskatastrophe in diesem
seinem Land. Er müsste sagen: Es ist eine Schande, dass ihr mich noch braucht oder besser, dass ihr meint, mich noch zu brauchen. Aber er pflegt auch gern Bettvorleger.
Und deswegen stellt er keine dummen Fragen. Er wiederholt sie lieber.
Maischberger als frommes Reh zu seiner Seite, fressbereit – die eitle Presse als Zierde eines Methusalem.
Nicht dass ein Methusalem nichts sagen könnte, aber Schmidt nicht mehr. Schmidt ist ein aufrechter Sozialkonservativer, den man mögen kann oder nicht. Es gäbe Leute wie Habermas, die Bedeutenderes zu sagen hätten.
Aber die versteht das Volk der Dichter und Denker wohl weniger.
So lädt man im Hamburger Schauspielhaus harmlose AufsteigerInnen zur Diskussion mit einem Felsen.
Mit Felsen kann man nicht diskutieren.
Der polnische Naseweis fiepst kritisch, wie man dem Volk klar machen könne, dass es für andere Völker einzustehen habe. Der Fels antwortet routiniert – nichts. Er sagt, das ist alles notwendig. Auch das, was er sagt und schreibt.
Das wiederum glaubt unsereins nicht.
Schmidt wird wohl mit seiner artigen Zeitung gern noch älter werden, was in Ordnung geht.
Aber brauchen wir die?

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Die Doktorspiele des Barons von Guttenhausen

Guttenberg ist offenbar ein König der Herzen, vor allem der Mädelherzen, wenn selbst ein altes Mädel wie Alice Schwarzer ihr Herz für ihn entdeckt, während sie Kachelmann, den klingenschwingenden Schwerenöter, noch während der Verhandlung publizistisch henkt, weil der offenbar zu vielen Dummchen im Dunst der geschlechtlichen Vereinigung die Ehe versprach. Man glaubt gar nicht, zu welchen emotionalen Eskapaden eine alte Schabracke imstande ist…
Aber – man weiß es nicht – vielleicht ist das wirklich ein kleiner Sadist, dieses notorisch charmante Kachelmännchen.

Wenn also Jungs mit dem Schwanz denken, dann haben wir endlich Gewissheit darüber, dass Mädels das mit dem Hirn tun… Sie lieben Guttenberg “kopfmäßig”.

Nun, Mädchen finden Jungen süß, und Jungen die Schwarte geil.
Der Autor wüsste gern, wie viele der Guttenberg – BefürworterInnen Frauen sind, denn dieser wird zurzeit notorisch süß gefunden, so pappsüß, dass dem Autor langsam sauer werden könnte.

Ein paar Bemerkungen zu diesem Berufs – Smartie, die jenseits akademischer Schmuckfedern liegen.

Guttenberg will vorneweg in einem für politische Verhältnisse zarten Alter auf oft peinliche Weise allzu weise erscheinen. Bei den Griechen konnten Leute (leider nur Männer) erst nach körperlicher Ertüchtigung, Studium der Philosophie und Kriegserfahrung ins politische Leben eintreten, was in der Regel erst Mitte vierzig möglich war. Manchmal genoss man Protektion. Oft aber hauchten auch die Sprösse einflussreicher Politiker ihr Leben im Feld aus.

Nun, das ist heute nicht mehr nötig, aber brauchen wir intellektuell überkandidelte Klugscheißer, die – seien wir mal ernst – mit siebenunddreißig sprechen, als seien sie siebzig? Und dann noch fünfunddreißig oder so Sanskrit – Dialekte?
So etwas ist – ethisch besehen – ein Defizit, denn so sucht sich ein smarter Youngster mit Altklugem zu inszenieren – was ein schlechter Charakterzug ist. Überdies erregt es mäßige Sympathie, in diesem Alter ACDC zu mögen. Da neigt der geneigte Fan zur Annahme, der “Gutti” sei ein “weekend – warrior”.

Ein kluger junger Mensch – wovon es einige gibt – sucht nicht, mit seiner Wortgewandtheit blindlings zu punkten. Das tat aber Guttenberg. Und das war nur einer der Gründe, warum ihm jetzt so nach der Haut getrachtet wurde.

Aber welches klare Auge mag schon einen kleinen Gernegroß?
Wenngleich das “Bild” – Volk ihm die Treue hielt, so war selbst die seriöse konservative Presse angewidert.
Die gesamte Intellektualität feuerte aus allen Rohren, denn Guttenberg spricht eine Sprache, die angetan ist, der Halbbildung und der Unbildung zu imponieren.

Sein gesamtes Gebaren zeugt schlicht von Dummheit. Man muss entgegen der Ansicht seiner Befürworter kein Neider sein, um ihn genussvoll zu treten. Einen so hochtrabenden Provinzgaul kann man nur mit einem gesunden Hufschlag gegen den Hirnkasten bedenken.

Zitat:

“Nach dieser Beschäftigung – meine Damen und Herren – habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktor-Titel nicht führen werde.”

Ach was. Nach welcher Beschäftigung?
Dabei ist die Zeile “wie richtig es war”, näher zu beäugen. Was? Was war richtig? Alles war gefälscht, das ist richtig. Es ist da schlicht keine Einsicht in Sicht.

Bildung schützt vor Dummheit nicht.

Diese geistige Eigenschaft unterscheidet nämlich u.a. den schlechten vom guten Dieb.
Es ist eine dümmliche Selbstgewissheit dabei, wenn einer im Internet – Zeitalter kopiert, was die Griffel hergeben.

Es ist viel nebulöses Intellektuellengehabe, das die kurze Geschichte dieses Provinzprinzen begleitet, viele Kleinlügen.
Und es ist die Sehnsucht royalistischer Speichellecker, die ihn zwanghaft hochjubeln, ohne in der Lage zu sein, ihrem Spross den Schutz zu bieten, den er gegen echte Angreifer bräuchte.
Aber es ist auch die Idiotie eines gefallenwollenden Dorfmonarchen, der um jeden Preis die Zeile seiner nutzlosen Titel verlängern will mit ein paar respektheischenden Buchstaben.

Und es ist eine “Zäsur”, wie Politiker gerne dröhnen, denn plötzlich vereinen sich z.B. rechte und linke Intellektuelle gegen Anmaßung und Unbildung. Und diese Schlacht wurde von der “Bild” – Zeitung verloren, denn gegen ein vereintes Akademikervolk hat sie wohl keine ernsthafte Chance. Dieses Blättchen konnte sich jahrzehntelang auf die Spaltung der rechten und linken Intellektualität verlassen. Einer mondänen Entpolarisierung konnte wohl auch nicht die “Bild” entgegen wirken. Das ist beruhigend. Und friedensstiftend zugleich.

Der Bonner Jura – Professor Wolfgang Löwer bringt es folgendermaßen auf den Punkt:
“Akademisch ist “Gewandtheit” völlig egal. Mit solchen Schachzügen, ob nun geschickt oder nicht, kann er (Anmerkung des Autors: Guttenberg) im Wissenschaftsbetrieb nicht punkten. Wir sind selbst eitel genug, um uns davon nicht beeindrucken zu lassen.”

Ein klein wenig erinnert Guttenberg an Michel Friedmann, der neulich bei Maybritt Illner wieder eifrig fuchtelte. Jener hatte lange Zeit einen langen Zeigefinger bei seinen Talkrunden in der Alten Oper zu Frankfurt. Dann wurde er mit russischen Huren und einer Schale Kokain im Hotel erwischt. Danach war der Zeigefinger gebrochen.
Die Moral?
Wenn Friedmann nicht so moralingeil gegen andere vorgegangen wäre, hätte ihm keiner nach der Haut getrachtet.
Wenn Guttenberg nicht so neunmalklug und saubermännisch dahergekommen wäre und nicht schon mehrfach unnütz Köpfe hätte rollen lassen, um sich als Macher zu inszenieren, wären seine Doktorspielchen zwar immer noch unappetitlich, aber nicht so gewichtig gewesen. So aber wurde er demoliert, was durchaus absehbar war. Ein waschechter Bilderbuchhochstapler.
Ein gepuderter Jungbulle aus der Schmiede der ewig Gestrigen.

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Lena, das Mädchen mit dem Stock im Bauch

Wie viele Jahrhunderte muss man sich noch Stefan Raabs Rottweilergebiss auf allen Kanälen ansehen?
Und – droht uns die Raabsche Fernsehdiktatur? Man sehnt sich nach einem Verriss dieses peinlichen Narzisten, der uns am liebsten auch noch im Schlaf erscheinen würde, wenn es dort noch einen freien Sendeplatz gäbe. Gegen Raab nehmen sich selbst Gottschalk und Jauch bescheiden aus.
Es drängt einen, Ursachenforschung zu betreiben, warum ein weitgehend humorfreier, rhetorisch hinkender Fernsehprolet derart erfolgreich sein kann, dass er sogar eine gewisse Deutungshoheit über die Qualität von Pop-Musik im deutschsprachigen Raum erlangt.

Wie kann sich ein ganzes Volk ein aufgekratztes, talentfreies Gör mit einer zitternden Puddingstimme als großen Wurf verkaufen lassen? Wo sind wir angelangt, dass – ungeachtet des niedrigen Niveaus der Eurovision – andere KünstlerInnen widerspruchslos vom Wettbewerb ausgegrenzt werden?
Und – wo sind die Musik – Kritiker, die dieses putzige Lenchen mit echten Sängerinnen vergleichen?
Neulich hat Barbara Schöneberger, die man zwar nicht mögen muss, die aber leidlich singen kann – allemal leidlicher als Lena – artig in den Raum geworfen, das Publikum fürchte sich vielleicht vor Stefan Raab. Ja, nicht nur das Publikum. Die gesamte Presse traut sich offenbar nicht, Raabs zudringlichem Gestammel über die Talente dieser Lena mal ernsthaft Einhalt zu gebieten. Dabei errötet selbst Raab schon regelmäßig bei seinen Behauptungen. Ein echtes Schamgefühl will sich bei ihm aber nicht einschleichen.

Es hat den Anschein, als brächte man die Republik gegen sich auf, wenn man etwas gegen dieses von Zuckungen heimgesuchte, falsettgeplagte Rhythmusmonster verlautbarte. Hier lässt sich ein ganzes Land eine musikalisch bemitleidenswerte Trällergöre als großes Talent verkaufen. Wie ist das möglich?
Schuld ist vermutlich diese leidige deutsche Identitätsfindungsgeschichte, dieses notorische Geltungsbedürfnis. Dieses unaufhaltsame Jaulen nach jeder Form der Beachtung, koste es auch noch die letzte Selbstachtung. Seht her – soll es wohl heißen – seht her, wie goldig wir sind, wie unbekümmert und locker! Und wie begabt! Wir haben und sind alles. Wir sind Fußball – Weltmeister der Herzen, Export – Weltmeister, Bankenrettungs – Weltmeister, Papst und Singsang – Europameister.
Eine gute Fussballmannschaft zum Objekt nationalistischer Begierden zu machen, ist zwar fragwürdig, hat aber für manche Gesellschaftskreise noch etwas Identitätsstiftendes. Eine schlecht singende und tanzende, betont zerstreute Göre zum Objekt des Nationalstolzes zu machen, deutet aber das eigentliche Ausmaß der seelischen Katastrophe dieser minderwertigkeitsgeplagten Nation an.
Nun, verklemmte, schlecht singende Teenies gibt es in Deutschland vermutlich einige. Aber die avancieren nicht alle zur Jeanne D´Arc des deutschen Pop.
Wie soll nun dieses Mädchen je locker werden, wenn eine ganze Nation seine Verklemmungen als liebreizend preist?
Nein, es ist nicht schön, sie tanzen zu sehen und auch nicht, wie ihr die eigene Stimme entgleitet.
Jedes Mal, wenn sie eine Zeile einigermaßen unverzittert über die Bühne gebracht hat, denkt man – ja, geschafft. Und dann setzt sie gekonnt ein neues Falsett.

Auch der Autor ist des Fremdschämens fähig – zumal selbst musikalisch tätig – und wünscht keinen KünstlerInnen Peinlichkeiten. Wenn einem aber eine Person, die es offenbar nicht kann, fortwährend als Bombentalent verkauft werden soll, dann regt sich im Musiker doch leichter Ekel. Vor allem jener Stefan Raab, der zwar ein schlechter Talkmaster, aber ein durchaus guter Musiker ist – oder besser, war – versetzt einen in Erstaunen, wenn er behauptet, dies sei eine gute Sängerin.
Man müsste nahezu die gesamte Pop – Geschichte ungeschehen machen, um die Darbietungen der Lena Meyer – Landrut gut zu finden.
Und dann dieses hannoversche Katastrophen – Englisch. Da werden sich dereinst noch ganze Generationen von Englischlehrern in ihren Gräbern unruhig wälzen. Einfach zum Knuddeln.

Etwas Gutes hat auch das alles: Der Grund für das schlechte Abschneiden der Deutschen bei der PISA – Studie wird dem Verständnis eher zugänglich, wenn man sieht, wie gut deutsche Abiturienten in Englisch sind. Nur können die meisten Deutschen das mangels notwendiger Englisch – Kenntnisse leider nur begrenzt beurteilen, weswegen wiederholt englische Journalisten darauf aufmerksam machen mussten (siehe die oben als Links gekennzeichneten Zeilen).

Der Himmel müsste Sturzbäche bitterer Tränen weinen, was er denn auch während der ganzen Lena – Hysterie tat. Tränen weinen über der Schmach der Deutschen, die der D-Mark verlustig wurden und nun vielleicht sogar des Euros. Ja, was kommt denn dann – das Tauschgeschäft?
Lena, Stefan und Jogi werden´s richten. Und Angela wird Mesut und Schweini wieder in der Kabine besuchen… Und Ackermann darf wieder im Kanzleramt Geburtstag feiern. Und das Präsidentenpaar Wulff macht Ferien beim Klinkenputzermessias Maschmeyer. Undundund…
Das ist mir ein Völkchen!

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Weil Adel zum Diebstahl verpflichtet…

Nun ja, die Republik ist bestürzt. Man hat sich zwar noch nicht darüber geeinigt, ob über den Minister Guttenberg oder über dessen intellektuelle Feinde, aber Teutonien ist gespalten.
Nur warum gleich so empört? Es gibt wohl kein Adelsgeschlecht auf diesem Planeten, das nicht durch Diebstahl und räuberische Umtriebe zu Rang und Ehren gelangt ist. So etwas ist Allerweltswissen. Also folgt auch Guttenberg der guten alten Adelstradition. Der Gräfin von Thurn und Taxis gehört bald halb Bayern. Meint denn eine/r, die angeheirateten Vorfahren der guten Frau hätten all die Ländereien durch ihrer Hände Arbeit erworben?

Also gemach! Guttenberg tut nur, was in Adelskreisen recht und billig ist. Auch das Ausschließen kritischer Journalisten von einer mäßig reuigen Pressekonferenz folgt der Tradition. Ein Gutsherr darf nur Wohlgesonnenen Rede und Antwort stehen, denn nur diese garantieren die angemessene Unterwürfigkeit.

Und – sind wir nicht alle ein bisschen Barone und Baronessen? Prinzen und Prinzessinnen? Kleine Diebe und Diebinnen?
Lasst doch den Mann seinen Job tun. Den Tod verwalten.
Guttenberg selbst hat gesagt, das Volk erwarte von ihm, dass er seine Arbeit macht. Das wollen wir ihm glauben.
Die, die hier Ehrlichkeit und dergleichen Tugenden einfordern, seien daran erinnert, dass sie sechzehn Jahre lang von einem
blackout – gefährdeten Kanzler Kohl, einem Unzurechnungsfähigen sozusagen, regiert wurden, an dessen Eigenleistung bei seiner Doktorarbeit seinerzeit auch große Zweifel bestanden, zumal weil der Guteste über keinerlei Englischkenntnisse (“You can say you to me”) verfügte und seine Doktorarbeit vor englischen Literaturhinweisen angeblich nur so strotzt. Schlimmer kann´s nicht mehr werden.

Also seid wahre Christen und verzeiht! Guttenberg bringt alle Qualifikationen für einen würdigen Kanzler mit. Er lügt souverän, stiehlt dummdreist, grenzt Kritiker aus, zeigt keine Reue und sieht bei all dem so richtig wohlgekämmt aus. Merkels Nachfolge ist endlich geregelt. Endlich wieder ein Schröder – Typus.
Denn Merkel ist die Ausnahme unter den Kanzlern. Sie lügt nicht – zumindest nicht bewusst – und beim Stehlen wurde sie bislang auch nicht erwischt.
Ihre Vorgeschichte als Physikerin könnte sie zwar dazu befähigen, in der Atomenergie eine Gefahr zu sehen, aber wir wollen ihr da nicht Lüge unterstellen. Schließlich gibt es auch schlechte bzw. uninformierte WissenschaftlerInnen.
Auch Guttenberg hat ehrliche Ausrutscher, etwa wenn er den Krieg einen Krieg nennt und nicht eine politische Stabilisierungsmaßnahme. Also ist auch er ein bisschen ehrlich. Wie Schröder: Mit dem Krieg oder gegen den Krieg kann man immer punkten.
Man stelle sich eine Republik vor, in der ein Christian Wulff mit seiner Tätowierten Präsident und ein Guttenberg mit seiner Kinderhilfefee Kanzler ist. Der Heilige Stuhl gehört uns bereits. Das nennt man eine gute Verdauung.
Endlich wäre man wieder wer. Außer Exportweltmeister. Jung und Alt gestalten die Zukunft. Die Jungen machen in Politik und die Alten in Religion.

Die linke Kampfpresse soll sich nicht so anstellen. Bewirkt hat sie nie viel.

Wir brauchen Floskelautomaten wie von der Leyen und Druckreifsprecher wie Guttenberg. Wir brauchen auferstandene Gestrige wie Kristina Schröder und smarte Krankheitserklärer wie Philipp Rösler. Und wir brauchen Mama Merkel, die uns nachdenklich klar macht, dass es für viele hart wird.

Ja, der Autor ist abgeschweift. Guttenberg war das Thema. Es ist so schwer, in diesen bewegten Zeiten aufkeimenden Revoluzzertums in den hintersten Winkeln der Erde aufs Wesentliche geschient zu bleiben. Was soll auch dieses Aufbegehren?
Seit wann hat das Melkvieh ein Recht, beim Bau der Melkmaschinen mitzureden?

Ja, Guttenberg. Man frug sich bereits, wie es möglich ist, dass dieser Vorzeigebaron verkappter Royalisten so unbehelligt durch eine Handvoll Skandale hindurchmarschiert, ohne dabei auch nur einen Kratzer abzubekommen. Endlich eine Delle…
Fast hätte man anfangen können zu glauben, es gäbe Heilige. Aber die Delle macht ihn nur verwegener. So ein bisschen Clint Eastwood der früheren Jahre. Nicht mehr der Makellose, nein, kleine, wohlgesetzte Narben machen das Mannesantlitz noch sexueller. Ein echter Stoßbulle kommt nicht aalglatt daher. Und der Colt hängt jetzt ein Stück weit tiefer…

Abermals droht der Autor abzuschweifen, denn ähnlich geschieht es allmählich Angela, nein Kristina, nein Ursula von der Leyen, die zusehends zum lächelnden Monster mutiert, das partout keine Träne ins Auge kriegen will, wenn es das Wort “Kinder” über seine starren Automatenlefzen schiebt. Es gibt keine bessere Warteschleifensprecherin auf dem Globus als Ursel. Auch eine Geadelte.

Man hat also zurzeit in der deutschen Regierung eine Potenzierung des Adels, einen “Von und Zu” und eine “Von der”, nicht bloß “Vons”. Endlich normalisiert sich also der politische Betrieb wieder. Jede/r dorthin, wo er oder sie hingehört.
Nach dem Dritten Reich konnte sich ja auch kein anständiges Adelsgeschlecht mehr ernsthaft in den Politikbetrieb einschalten, zumindest nicht offen. Lambsdorff war da die unanständige Ausnahme, die Ewigkeit hab ihn selig – und Opa zu Guttenberg, offenbar auch ein seliger Karl – Theodor, vor vierzig Jahren Minister. Ach, was dreht sich das Rad … dann doch nicht.

Es ist nicht allein die Kaltschnäuzigkeit eines Provinzbarons, sondern der frömmelnde Blick eines genügsamen Volkes, der das Emporsteigen solcher Vorzeigeparvenus ermöglicht.
Es ist die dreiste Verdummung durch ein eingespieltes System hierarchischen Denkens, also der subtilen ideologischen Unterwerfung, das in diesem Land besonders ausgereift ist. Das Oben und das Unten, das Katzbuckeln und das Treten regieren über die demokratische Theorie. Der Geltungswahn der Vielen ist es, der dem Schein den Weg ebnet.
Darin liegt die Beeinträchtigung selbständigen Denkens und darin wiederum die große Gefahr für die Freiheit. In diesem Land gilt das fügsame Einreihen in die scheinbar unumstößliche Rangordnung als höchstes Ziel der Selbstverwirklichung.

Posted in GESELLSCHAFT, MIX, POLITIK.


Das Bürgerliche

Wir wollen das Thema mit einigen kleinen Anmerkungen zur aktuellen Kommunismus – Diskussion eröffnen.
Unabhängig davon, welche Klärungen des Begriffs nötig sein könnten, was immer in einer aus “linker” Sicht defensiven Diskussion enden wird, möchten wir das mit Blick auf das unkommunistische Bürgerliche etwas offensiver angehen.

Zunächst ist die Diskussion, die von dieser Gesine Lötzsch ohne Not vom Zaun gebrochen wurde, schon von daher willkommen, als sie deren politischen Heimgang beschleunigt, ansonsten diese politisch notwendige Protestbewegung namens “Die Linke” binnen Jahresfrist das Schicksal der FDP ereilt.
Frau Lötzsch hat saubere Spionsarbeit geleistet. Das trägt fast guillaumsche Züge. Eine Parteivorsitzende, die ihrer Partei den Brutus – Stoß zu setzen versucht. Man könnte fast meinen, hier sei eine CDU – Informantin zu höchsten Ehren bei der Linken gelangt. Nun gut, das wird sich alles geben.

Spannender ist hier schon die allseits zur Schau getragene Empörung über das Wort “Kommunismus”.
Wenn Grießnockerl wie Sigmar Gabriel und Andrea Nahles oder wütende Papiertiger wie Trittin und Künast deswegen eine Koalition mit der Linken im Bund jetzt schon ausschließen, dürfen wir vorsichtig zwischen den Zeilen lesen: Man hat auf der linken Seite kein Interesse am Regieren. Zu frisch ist es noch in Erinnerung, wie wenig Politik eigentlich bewegen kann. Solange die Diäten fließen, ist Regieren nicht notwendig. Angela Merkel wird uns leider noch lange als Kanzlerin erhalten bleiben, vielleicht sogar mit Trittin als Wirtschaftsminister, der dann seine eigenen Proteste von vorher vernünftig abbügeln wird.

Jetzt zum “bürgerlichen” Lager.
Das Bürgerliche sieht die so genannte Linke stets als den Gegner der Freiheit, wie dieses zum Wirtschaftsmysterium mutierte schwabbelnde Weinbrötchen “Brüderle” den Mittelstand der sozialen Marktwirtschaft – nicht etwa des Kapitalismus – geradezu götzenhaft beschwört. Nur ein solider Mittelstand kann sich eine so wirkungs- und bedeutungslose Kreatur wie Brüderle als Minister leisten. Die Abschaffung dieses Ministeriums würde vermutlich erst Jahre später auffallen. Aber was leistet man sich nicht alles in einer Überfluss – Demokratur?

Dabei verletzt jedes so genannte demokratische Sprachrohr mit dieser seiner Kommunismus – Verbotsposition bereits die elementaren Regeln der von ihm so eifrig vorgetragenen Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. Braungesprenkelte CSU – Fritzen fordern bereits tatsächlich ein Verbot der Linken, während die der CSU eher verwandte NPD verflixt nochmal nicht verboten werden kann. Wir haben eben einen Rechts – Staat und keinen Links – Staat.

Dass man also Karl Marx und Stalin nicht auseinander hält, ist etwa so taktvoll wie Hitler mit dem rheinischen Kapitalismus zu vermengen, vermutlich noch taktloser. Marx war ein philosophischer Idealist und Stalin ein faschistoider Demagoge.
Aber das ist man ja schon von der Verarbeitung der deutschen Nazi – Vergangenheit gewohnt.
Klaus Barbie, ein hochkarätiger Mörder des NS – Regimes, war offenbar lange ein sehr guter Zuträger des BND, ein IM, sozusagen.
Bücherverbrennungen und Vergasungen Andersdenkender sind bloß ideologische Abgrenzungen.

Auch ist eine christliche Kinderschändung zwar eine “schlimme Verfehlung” , aber doch nur eine Verfehlung. Beichten hilft da beträchtlich. Strafrechtliche Konsequenzen wollen sich da nicht so recht durchsetzen. Auch Staatsanwälte und Richter sind schließlich nur Menschen, also Christen.
Ebenso verhält es sich mit politischen Tunichtguten wie etwa Holger Pfahls, vor dem sich der Richter, der ihm eine Scheinstrafe verabreichte, danach verneigte.
Holger Pfahls war früher übrigens Staatssekretär, Staatsanwalt und Richter und ist gerade wieder verhaftet worden. Ein guter Christ eben. Da hat der ehrfürchtige Knicks des staatlichen Kuttenträgers nicht lange vorgehalten. Es gibt wohl vereinzelt in diesem Land auch Kuttenträger, die der “Würde des Amtes” gerecht werden. Diese sind aber zumindest versetzungsgefährdet, wohingegen eine Karin Wolski – zugegeben als ehemalige Richterin am hessichen Staatsgerichtshof eher ein kleiner Fisch – die Treppen hochfallen könnte.

Ganz schweigen wollen wir über den ehemals ewigen Christen – Kanzler Kohl, dem in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Blackout in Form einer uneidlichen Falschaussage im Flick – Untersuchungsausschuss unterlief, wonach er allerdings ungehindert im Amt bleiben konnte.

Ja, die “Bürgerlichen”, das ist schon ein sauber Völkchen, man will fast sagen, sau-bär. Wir wollen das mit dem Kommunismus doch tüchtig beleuchten, nicht wahr!

Allein schon der offenbar seit Jahrzehnten übliche Wortgebrauch suggeriert, dass so genannte Linksdemokraten dem allgemeinen Bürgertum offenbar nicht angehören. Die Bürgerlichen und die Linken! Ja sind die Linken denn nicht bürgerlich?
Bürger des Landes ist wohl nur, wer politisch rechts ist, wie der landläufig gebrauchte Begriff “bürgerliches Lager” bereits suggeriert.
Das als links klassifizierte Wählertum – also alles außerhalb der CDU und der FDP – ist unbürgerlich. Also auch die Wenigkeit des Verfassers dieser Zeilen. Entsprechend unbürgerlich wollen wir hier vorgehen und vorneweg das im Kern faule Gejaule dieser Anstandsapostel mal näher in Augenschein nehmen.

Dieses ethisch verwahrloste Marktwirtschafts – Christengebrabbel dieser Feierabendhumanisten gehört allemal stärker unter “Beschuss” genommen, als die vernünftelnde “linke” Presse offenbar fähig ist, dies zu tun. Da liebt man eher artige Bettvorleger wie den gut erzogenen Chefredakteur der “Zeit” oder den im Fernsehsessel gefesselten Jauch, den koketten Sloterdijk, die nutz- und wirkungslosen Talk – Mamas Illner, Will, Maischberger und wie die kommenden Aussortierten noch heißen mögen. Aus dieser Richtung droht den “Bürgerlichen” keine Gefahr.
Rührend an der zunehmend reaktionären “bürgerlichen” Seite ist stets, wie entspannt und selbstverzeihend sie mit den eigenen Kellerleichen umgeht und wie streng sie geringste Verfehlungen anderer zu verfolgen und zu ahnden weiß.

Bürgerlich ist, wer heiratet, Jesus lieb hat, Atom – Energie befürwortet, dunkle Hautfarben und fremde Sprachen ablehnt, Frauen als nützliche Haustiere sieht, abends Kinderpornos kuckt oder sie sogar mit dem eigenen Nachwuchs dreht usw.
Oder ist es bürgerlich, andere zu bestehlen, auszustoßen, nachdem man sie betrogen und ihren Saft abgezapft hat? Vielleicht ist es auch bürgerlich, hörige Strammsteher in nutzlosen Kriegen zu verheizen, damit die Waffenlobby Händchen reiben kann. (siehe oben – Holger Pfahls)

Die so genannte Linke – nicht die Partei – ist in der Tat viel unorganisierter als die Rechte. Sie ist auch wesentlich spärlicher, als viele Linke glauben möchten, wie das schwammige postnazistische Geschwülst jener verkniffenen Sarrazin – Visage uns gezeigt hat. Wir sehen uns sehr wohl mit einem rechtslastigen Gesellschaftspotential von etwa 70% konfrontiert, ein Potential, das im günstigsten Fall dazu mobilisiert wird, sich selbst zu zerlegen, um aber zu gegebener Zeit zu verschiedenen populistischen Zwecken abgerufen werden zu können. In der Zwischenzeit halten sich die einen für weiter links, die anderen für eher rechts etc. Man beschäftigt sich halt mit sich selbst. Schließlich meinen alle, eine Meinung zu haben. Die “sozialen Netzwerke” sind voll vom nichtigen Wiedergekäu gut beschäftigter TastenklopferInnen. Wir wollen politisch korrekt bleiben. Man “geht mit der Zeit”.

Dafür, dass man sich von der Alphabetisierung so viel versprochen hatte, sind die Menschen herzlich dumm geblieben. Die Pseudo – Demokratisierung hat zu einem schleichenden Verfall des “Willens zur Macht” geführt, wie ihn Nietzsche artikulierte und man will allmählich verstehen, was jener damit meinte, wenn er die Demokratie nicht gut hieß. Sie schläfert die wichtigsten Impulse ein – zumindest die “real – existierende” Demokratie. Sie ist keine. Wären alle BürgerInnen bereit, so skrupellos wie Josef Ackermann u.a. zu sein, dann wäre keine/r so skrupellos, denn das Bedürfnis nach Selbsterhaltung würde ein “moralinsüchtiges” Wesen wie etwa das religiöse nicht ermöglichen.
Wir haben eine Moral. aber keine Ethik. Die Moral ist der kantsche Imperativ des Müssens ohne Einsicht, weswegen jener auch eher ein verkorkster Fürsprecher des Klerus als ein Philosoph ist, was meist zu Kants Gunsten verkannt wird. Aber wer in der Suppe sitzt, sieht den Tellerrand nicht.

Ethik ist dagegen im einsichtigen Handeln eines gewissenlosen Individuums verwurzelt. Darum gilt auch als gewissenlos, wer keine Moral hat – was korrekt ist. Nur, dass die meisten derzeit Gewissenlosen auch keine Ethik haben. Das ist die zwingende Auswirkung einer gewissens- und moralverpflichtenden Gesellschaft. Der erste Ausbruchsversuch aus dem Kerker der Moral ist nicht bloß gewissenlos, sondern auch frei von jeder Ethik. Erstmal geht es ums Ausbrechen. Wohin, das ist zunächst irrelevant.
Ethik gibt es zurzeit auf diesem Planeten – zumindest bei den Menschen – keine.

Ein gewissenloses Geschöpf kann sehr wohl eine feinfühlige und liebevolle Ethik besitzen. Das zeigt uns die restliche Tierwelt. Kaum ein anderes Tier als der Mensch hat eine Moral und ein Gewissen entwickelt, aber alle kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs, um die Gemeinschaft etc.

Die Existenz ist keine Aufforderung zur Erschaffung von Religionen oder halbreligiösen Staatskonstrukten. Wie kann es sein, dass Staatsleute selbst in westlichen Hemisphären ihren Schwur mit “So wahr mir Gott helfe” beenden? Das ist ein juristisches Unding, betrachtet man einmal allein die deutsche Jurisprudenz.
Rein juristisch muss Gott nachgewiesen werden, damit man sich – eventuell – auf ihn berufen kann. Mancher Amokläufer hat sich bereits auf Gott berufen. Wer garantiert uns, dass Angela Merkel morgen keinen Krieg vom Zaun bricht, weil Gott ihr geholfen hat?

Die so genannte Linke ist also weltweit zwar ansatzweise vorhanden, aber grausam unsortiert. Das sie von der Rechten wesentlich unterscheidende Merkmal, die Artikulation einer eigenen Meinung, gerät ihr hier kurz- und mittelfristig zum Hindernis. In der linken Hemisphäre gibt es stets ein heilloses Meinungsdurcheinander und dazu das entsprechende Gegacker.
Langfristig wird sich so genanntes linkes Denken allerdings durchsetzen. Das zeigt bereits die geschichtliche Entwicklung.
 Aber es dauert zu lange. Es dauert bereits so lange, dass sich die reaktionäre Rechte im neuen Kleid als modernistisch präsentieren kann und so die zarten geistigen Früchte der letzten zwei Jahrhunderte mit aufpolierten klerikalen und politischen Platitüden zu absorbieren droht.
Wollen wir wieder zusehen, wie unsere noch Orientierung suchenden Kinder abermals in die vernünftelnden Fänge skrupelloser Herrschaftsfanatiker mit frömmelnder Ausrichtung geraten, die ihnen früher oder später die Luft zum Atmen nehmen? Weder das geistfreie Gefrömmel, noch die Hetze beim gesellschaftlichen Entsprechenmüssen dürfen die neuen Menschen vergiften. Das wäre der Übermensch des Nietzsche, nicht ein blondäugiges Schwabbelhirn, das zu jeder Gräueltat zu bewegen ist, um später zu sagen: Wir mussten. Wir mussten ja überleben. Ja, überleben kann man auch, ohne andere zu töten – zumindest, wenn man sie nicht essen will. Darum hat man hier in Deutschland 70% latente Nazis, weil Hitler Schuld hat. All die Feigheit versteckt sich hinter einem kleinen Schnurrbart. Das ist die teutonische Geschichtsverarbeitung. Dass am Ende des Tages ein bräunlich – bayrischer Hallodri das Verbot einer Partei Andersdenkender fordert. Und der kritische Blätterwald schweigt.
Wollen wir weiterhin tolerieren, dass wortgewitzte Halsabschneider den Gang der Dinge vorgeben, dass große Räuber als Adlige bezeichnet werden, das geifernde Gierschlunde und duckmäuserische Speichellecker als Vorbilder gelten? Bei aller Dummheit war die Menschheit vielleicht noch nie so klug wie heute. Und Deutschland hätte ein gutes Pflaster sein können, aber es droht in einer frühindustriellen Idiotisierung zu versinken.
Wenn wir dieses aufziehende Jahrhundert nicht dazu nutzen, die Welt klüger zu machen, haben wir nichts Besseres verdient als klugscheißende Händeschüttler, die unseren langfristigen Niedergang als Art verhandeln. Die Regierungen sind nekrophil. Sie bestehen zunächst aus Individuen, die sich selbst die Nächsten sind und nur selten über eine vertretbare Ethik verfügen, da man mit einer solchen meist gar nicht erst in einflussreiche Positionen gelangt. Daher liegt es am Volk zu erwachen und seine eigene Gestaltungsmacht wahrzunehmen. Solange es sich aber in Rechts und Links verzetteln lässt, bleibt alles beim Alten.

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Di-Oxen

Die Entrüstung ist groß. “Schweinerei mit System”, titelt der “Spiegel” kritisch.

Wir sterben nur mäßig oft, dafür, dass wir so viel Dreck fressen.
Die Tiere, die wir uns einverleiben, fressen sich gegenseitig schon lange granuliert.
Kleine Hähne fusionieren zu Futtermehl, mit dem ihre Schwestern gemästet werden – gemischt mit dem Dioxin aus industriellen Schmiermitteln. Hähne legen halt keine Eier.

Die deutschen Hennen fressen zur Not sogar Metallspäne und am anderen Ende kommen Eier aus Gold heraus – echte Dukaten. Das sind echte Goldesel, sozusagen. Dagegen ist auch noch die prallste, geschmackloseste Holland – Pestizid – Bombentomate ein wässriges Früchtchen.

Wenn eine deutsche Dioxinhenne gelegentlich anfängt, sich selbst aufzufressen, dann ist das soziales Fehlverhalten. Das ist eine sogenannte Prekariatshenne. Es muss dann geprüft werden, ob die Henne fahrlässig, willkürlich oder bösartig sich selbst gepickt hat.

Ein Prekariatshennenuntersuchungsausschuss ist das Mindeste, was die SPD fordern sollte. Und die CDU sollte die Sorgen des Mittelstands ernst nehmen. Zu wenig Dioxin im Fleisch ist auch nicht gut. Außerdem sollte das Geflügel nicht so undankbar sein. Hennen in der Dritten Welt wären froh, wenn sie einen gemahlenen Bruder zum Aufpicken hätten. Diesem liberalen Gegacker gehört schon längst der “Hahn” abgedreht. Ein dankbares Wortspiel. Aber die “Grünen” sollten auf eine generelle Gleichstellung der Prekariatshennen mit sonstigem Gefiedervolk bestehen.

Und jetzt sind auch noch die Schweine mit Dioxin “versaut“! Abermals ein glückliches Wortspiel, jedenfalls glücklicher als die “versauten” Schweine. Ja was? Sind morgen die Schafe, die Ziegen, die Puten, die Ochsen, am Ende gar alle Wähler und Wählerinnen betroffen? Eine unvorstellbare Vorstellung.

Die Entrüstung ist groß. Man denkt ja vieles, aber das – das dachte man nicht.
Dass Dreckfresser ihre eigenen Kinder vergiften, um ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen? Das ist schon von einer rührenden Elternliebe.
Aber zum Glück ist das nur ein Ausschnitt der Gesellschaft. Wir, die anderen, sind schon anders.
Wir lassen uns von dreisten, nimmersatten Energiekonzernen den Atommüll unter Polizeischutz vor die Haustür karren.
Wir wehren uns. Wir halten Händchen, bis sie uns durch die Wälder prügeln und uns die Augenhöhlen mit Wasserwerfern ausspülen. Dann gehn wir heim und wissen: Wir haben etwas dagegen getan, wogegen auch immer. Am Abend gibt´s Hähnchen oder Lendchen “alla Dioxine”, oder auch mit Dioxin – Mozzarella überbackene Holland – Pestizidbomben und wir atmen die freie Luft der strahlenden Uran – Demokratie.
Wenn dann unser krebszerfressener, dioxin- und pestizidverseuchter Restleib von den Chemo – Kanonen der Pharma – Industrie heimgeballert wird, dann wissen wir: Gott kann auch grausam sein.
Aber so ist Gott nun mal: launisch.

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Brief vom Weihnaxmann

Ja, es hat etwas, dieses deutsche Land, etwas von Heines “Wintermärchen”, und etwas von Nietzsches “Dekadenz”. Von gut alimentierten Lobbyisten und einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Verteilung der Güter. Von schamlosen Floskelspuckern, die selbstverliebt auch noch die hohlsten Worthülsen als Statement feiern, in einer rätselhaften Gewissheit, dabei eine gute Figur zu machen. Wenn man diesen frühindustriellen Vorkämpfern beim Darbieten ihrer perfiden Ansichten zusieht, weiß man alle demokratischen Ideale auf dem Misthaufen, einen eitel krähenden Hahn darauf inklusive.

Oh, strahlende Zukunft, in die wir geraten sind. Die Intelligenz ist kultiviert. Man wähnt sich nahe an hehren gesellschaftlichen Idealen. Die Presse ist artig. Wohlgenährt, klug. Die Menschen, die da schreiben und berichten, sind satt. Es ermangelt ihnen an Pfiff, an Nase für das Gemeine in dem, was sie umgibt.

Brav wird die Verelendung und die Korruption diskutiert. Hierzulande hungern Journalisten nicht – und den natürlichen russischen oder chinesischen Journalistentod sterben sie auch nicht. Sie prügeln sich um Belanglosigkeiten. Die deutsche Presse ist kritisch – also in einem kritischen Zustand.

Die restliche Intelligenzia kreist fasziniert um sich selbst. Die Diskussionsrunden sind manierlich. Man gibt sich nachdenklich. Meister der ausgewogenen Ansichten. Berge Wissender türmen sich mit kluger Miene und wiegenden Köpfen in endlosen Talkrunden – wie das heutige Nähkästchengeplänkel chick heißt. Oh, goldenes Zeitalter, das du hier anbrichst.

Die Gleichschaltung der Meinungen geschieht nicht durch einen zackigen Schnurrbartträger, nein, durch ein System willfähriger, intelligenter Idioten, die allesamt in einer wohl situierten Mitte der Gesellschaft Platz finden. Dieser Platz ist der Lohn für das artige Benehmen.

Was hat die Intellektualität nicht alles erkannt, gesagt, angemahnt und dergleichen?! Schließlich „herrscht“ Meinungsfreiheit. “Freiheit herrscht nicht”, hat Erich Fried mal geschrieben.

Doch oh weh! Der Terrorismus, die Globalisierung, die Bankenkrise, die maroden Staatshaushalte! All dies erfordert entweder Gegenmaßnahmen oder Anpassungen.

Der allerorts gegenwärtige Terrorismus erfordert eine intensivierte Überwachung des Individuums durch den Staat, die Globalisierung erfordert eine Nivellierung der Einkommen nach unten, um die “Wettbewerbsfähigkeit” zu steigern, die Bankenkrise und die maroden Staatshaushalte machen es notwendig, der Habgier und der Verschwendungssucht mit Steuermitteln zu begegnen.

Das Individuum wird also intensiv überwacht, sein Verdienst schrumpft und die Abzüge von seinem bereits geschrumpften Verdienst werden höher. Darüber hinaus muss besser beäugt werden, was das Volk eigentlich grundsätzlich treibt, in fiskalischer wie in politischer Hinsicht.

Viele Kleinverdiener hinterziehen kritischen Journalisten zufolge mehr Steuern als wenige Großverdiener. Da haben wir ´s. Die Geringverdiener sind die, die eifrig abzwacken. Und die Presse hat es aufgedeckt. Man muss das differenziert betrachten. Nicht immer nur die Sicht des Volkes bekleiden. Daher sind auch Lohnerhöhungen deplaziert. Der gemeine Michel nimmt sich seinen Teil so oder so. Der soll gefälligst die Höhe des Trinkgelds offen legen.

Parallel berichtet die Wirtschaftspresse von konstanten oder sogar steigenden Gewinnen der Finanzkonzerne trotz angeblicher Krise, wie auch von üppigen Gewinnen in einem Großteil anderer Wirtschaftszweige.

In der “freien Marktwirtschaft” heißt der Diebstahl von Arbeitskraft offenbar “Gewinn”. Mittlerweile wird in “Expertenkreisen” von einem großartigen Aufschwung fabuliert, welches Fabulieren gewissermaßen die Hauptaktivität dieser Kreise zu sein scheint. Bald wird es auch noch einen Studiengang „Expertenfabulieren“ geben.

Wie auch immer, die Gewinne auf der einen Seite haben angeblich nichts mit den Entbehrungen auf der anderen zu schaffen.

Das alles hat etwas von einem gepuderten Hammel des späten Barock, der den abgenagten Knochen, den er dem Volk hinwirft, für eine Wohltat hält und nicht müde wird, seine eigene Gönnerhaftigkeit zu bejubeln.

Gleichzeitig zu diesen Entwicklungen wird in den unteren Einkommensbereichen “der Gürtel enger geschnallt”, bis Schneewittchen der giftige Apfelbissen aus dem Rachen hüpft.

Während die Gewinne der Banken und weiter Teile der Wirtschaft anschwellen, bezahlen viele Eltern in Deutschland die Schulbücher und die Studienplätze ihrer Kinder, und Geringverdiener werden trotz langer Arbeitszeiten zu Bittstellern. Hinzu kommen Beitragserhöhungen, Preisanpassungen, “Zusatzbeiträge“ oder gleich der Wegfall ganzer Einrichtungen aus dem Versorgungsbereich des Staates, etwa von Büchereien, Jugendzentren, Schwimmbädern etc, wobei der Staat sich hier einiger Aufgaben zu entledigen sucht, die wahrlich zu seinen elementaren Pflichten gehören.

Das System ist intakt. Man hat sich in Politik, Medien und Wirtschaft gemütlich eingerichtet, zum Bleiben sozusagen. Das Volk hungert nicht, was immer von Vorteil ist, auch ist es ausreichend dumm gehalten, um nicht selbständig denken zu können.

Die Unterhaltungshallen sind prall gefüllt, das jeweilige Spektakel wird in HD- , 3D – und sonst welchen Formaten auf die mondänen Breitwände im Heimkino übertragen. Wenn sich dann ein Knabe mal den Hals bricht …, dann singt ihm eine Göre ein Lied. Man stellt sich der gesellschaftlichen Verantwortung. Spiele braucht der Pöbel schon, aber auch Brot für die Seele.

Eine feine Balance besteht zwischen dem subjektiven Eindruck, gut informiert zu sein und dem fehlenden Raum, die Informationen zu verdauen bzw. zur geistigen Nahrung werden zu lassen. Dafür sorgt das schlichte Ringen um die Existenz, dem ein Großteil der Gesellschaft unter dem Diktum der so genannten freien Marktwirtschaft ausgesetzt ist – speziell in Deutschland, wie auch in einigen anderen Ländern, wo eine ausgefeilte, gewachsene Bürokratie das Volk mehr oder weniger sanft, dafür aber durchaus bestimmt auf Trab hält.

Die individuelle Kreativität des Denkens wird vom Kleinklein des Alltags absorbiert. Sämtliche produktiven Bereiche der Gesellschaft sind von der Hetze durch die Konkurrenz betroffen. Wirtschaftliches Handeln ist nicht von einem Miteinander sondern von einem Gegeneinander geprägt, es wird nicht als Beitrag zur Prosperität der gesamten Gesellschaft begriffen sondern als Selbstdefinition des Individuums in Abgrenzung zur Gesellschaft, oder zumindest zu Teilen von ihr. Du bist, was du hast.

Die “freie” Marktwirtschaft behauptet felsenfest, der Mensch habe nur als ökonomisches Wesen Bestand.

Der Bestand ist absehbar: Die Güterverteilung ist himmelschreiend, der gesamte Planet ist zu einer einzigen Dreckschleuder verkommen.

Auf den Meeren schwimmen ganze Kontinente aus Plastikmüll, die leckeren Meeresfrüchte ersticken daran und landen als Plastikgranulat auf den Tellern des Melkviehs.

Die Reste des atomaren Wohlstands werden in der Nachbarschaft des Grundwassers verscharrt und sickern langsam in die Herzen, Lungen, Lebern und Nieren unserer Kinder.

Ja, die Kinder, unser Rohstoff. Kinder – das Wort, das manche gern so rührend lächeln lässt. Etwa die Marienerscheinung von der Leyen oder die Bildungsmaria Schavan. Oder das Familienmariechen Schröder. Oder die Obermaria Merkel. Der Staat hat sich durchaus marianisiert – um nicht zu sagen, quotentechnisch gemausert. Aber die Gier kennt im besten Fall kein Geschlecht. Semantisch ist sie im Deutschen eher weiblich. Nun wollen wir aber nicht dem Chauvinismus das Wort reden.

Zurück zur Freiheit: Es gibt den Staat im Staate, etwa in Deutschland die 5,5 Millionen Bediensteten des Staates. Hinzu kommt noch ein Heer von Rechtsverdrehern, ein bombastisches Versicherungswesen, ein vielfarbiges Maklertum jeglichen vermittelbaren Gutes und eine weitgehend wohlwollende Medienarmee. All diese Netze haben sich nutznießerisch um den Staat gewoben und ragen weit in die so gern bemühte Freiheit der Gesellschaft hinein.

All die Erwähnten erschaffen also keine „realen“ Güter, sondern tun „Dienst am Kunden“. Und den tun sie gründlich. „Dienstleistungsgesellschaft“ nennen sie das. Die meisten Güter sind weniger wert als eine Dienstleistung an ihnen. Einen wackelnden Küchentisch neu zu verleimen, ist teurer, als einen neuen zu bestellen.

Man möchte fast meinen, die „Dienstleistungsgesellschaft“ sei der nächste Schritt in der Evolution der Menschheit.

Reguliert wird die Existenzberechtigung der eben erwähnten Rechts-, Versicherungs-, Makler- und Medienstrukturen vom Staat selbst, der den rechtlichen Rahmen für Pflichtabgaben, Pflichtversicherungen etc. absteckt und somit für die eigene Alimentierung mit sorgt. Da der Staat überdies Hauptnutznießer der Steuern ist, kann er kein Interesse daran haben, das ihn fütternde Volk vor Auswüchsen einer außer Rand und Band geratenen Raubtierökonomie zu schützen. Sozusagen nimmt der Staat das Volk nicht nur in Form direkter Steuern aus, sondern auch über die der wildernden Wirtschaft, die streng besehen nebst eigener Alimentierung durch ihre Abgaben an den Staat auch als Geldeintreiberin für diesen fungiert.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, was es bedeutet, wenn locker ein Viertel der etwa vierzig Millionen Erwerbstätigen in Deutschland keine Güter erschafft, sondern ungreifbares Gut verwaltet. Diese Menschen müssen ständig darauf bedacht sein, sich neue Aufgaben zu schaffen.

Das System ist derart unumstößlich, dass jeder Erneuerungsgedanke das Weite sucht. Auch noch der absurdeste Auswuchs ist gerechtfertigt und mit teutonischer Sorgfalt wetterfest in Paragraphen gegossen.

Der Staat erlässt Erlässe und Gesetze nach Belieben, die Journalisten berichten vernünftig darüber, das Rechtswesen wägt vernünftig ab, Kritik wird mit „demokratischer Legitimation“ abgebügelt, weite Teile des Volkes können getrost als sanft gefesseltes Melkvieh bezeichnet werden. Es ist ein bisschen wie mit jener Ameisenart, die sich Blattläuse als Haustiere hält, um sie zu gegebener Zeit auszusaugen. Deren Körperflüssigkeit ist angeblich süß.

Die Grenzen sind also nicht mehr zwischen Staat und Volk zu ziehen, eher zwischen Nutznießern staatlicher Umtriebigkeit und restlichem Volk. Und diese Grenzen sind äußerst fließend, so fließend, dass viele Menschen auf Umwegen von besagter Umtriebigkeit profitieren und sich daher gern weigern, die langfristigen Nachteile eines unproduktiven Systems zu sehen.

Der Staat ist nicht bloß Erfüllungsgehilfe nebulöser Wirtschaftskreise. Mit seinen Aktivitäten erschafft er sogar welche, die ihn dann erneut speisen.

Die alten Imperien dürften mit Neid auf die raffinierte Konstruktion der deutschen Demokratie blicken. Nie hat man einen so üppig ausgereiften, ausgestatteten Staat erlebt, wie den deutschen und seine staatsfreundlichen Peripherien.

Wir erleben hier ein ideales System eines unantastbaren Parasitismus. Nie war Diebstahl so legal, so unanfechtbar wie heute in Deutschland. Der gute alte Beruf des Diebes ist vom Aussterben bedroht.

Der moderne Diebstahl geschieht heute über Abgaben, Gebühren, Beiträgen, Pauschalen etc. Welcher aufrechte Scharlatan lässt sich heute noch mit der Hand in seines Nächsten Tasche erwischen?

Da lobt man sich die Zeiten ehrlicher Wegelagerei, als man wusste, dass jeden Augenblick ein Räuber aus dem Busch springen könnte.

Heute schicken die Räuber Briefe mit der Ankündigung einer Gebühren- oder Preiserhöhung. Die „freie Marktwirtschaft“ macht vermummtes Räubertum überflüssig. O tempora, o mores.

Nun zum Gedanken der Diktatur. Was zeichnet eine Diktatur aus? Sie mag viele Eigenschaften haben, aber zweifelsfrei gehören Überwachung, so wie wirtschaftliche und politische Bevormundung dazu.

Wenn die Geheimdienste die Forderung nach mehr Gerechtigkeit als Gefährdung der demokratischen Grundordnung erachten, wenn der gesellschaftliche Alltag geprägt ist von Meldepflichten, Anträgen, Genehmigungen und Verboten der absurdesten Zuschnitte, wenn Kritik an nationalistischen oder fundamental – religiösen Umtrieben als Verunglimpfung nationaler oder religiöser Symbole geahndet wird, dann wird das Würmchen Freiheit, das unter langem und hohem Blutvergießen ergattert wurde, dahingerafft sein von den gut alimentierten Krähen des Staatswesens und der wirtschaftlichen Potenz einer Nomenklatur, die auf Übervorteilung, Diebstahl und Betrug gründet.

Anders als in totalitären Systemen arbeitet die so genannte “Diktatur der Bürokratie” mit demokratischem Instrumentarium. Sie bezieht ihre diesbezügliche Legitimation aus der freien Wahl, ein Merkmal, durch das sie sich stolz von einem totalitären Regime distanziert.

Zur Diktatur mutiert die demokratische Struktur mit einer gewissen Unschuld, denn individuelle Gier und der Selbsterhaltungstrieb eines ständig wachsenden bürokratischen Systems überrollen offenbar das Gleichheitsgebot der demokratischen Idee. Wie man also früher vom real existierenden Sozialismus sprach, so müsste man heute von der real existierenden Demokratie sprechen, die in der akuten Gefahr lebt, zur Diktatur der Bürokratie zu werden, so wie die sozialistische Idee in die “Diktatur des Proletariats” mündete.

Die neue Repression findet unter der Ägide der Freiheit statt. Alle Maßnahmen des Staates durchlaufen einen mehr oder weniger freiheitlichen Prozess der Vermittlung und werden – oft durch seriös gekleidete Werbemaschinen befeuert – dem Volk schrittweise untergejubelt. Man arbeitet mit dem Argument. Das Gegenargument wird zwar zugelassen, ändert aber nichts an der Sache.

Später dann, wenn die Menschen zu beanstanden haben werden, dass ihre Konten offen liegen, ihre Telefone abgehört, ihre digitale Post von Unbefugten gelesen, ihre Körper gescannt und all ihre Bewegungen in der Öffentlichkeit gefilmt werden, dass ihre politische Gesinnung, ihr Konsumverhalten, ihre kulinarischen und sexuellen Vorlieben dem Staat und seinen Verbündeten bekannter sind, als es ihnen lieb sein kann, dann wird der Staat ihnen unter die Nase reiben, dass all diese Maßnahmen einen demokratisch legitimierten Prozess durchlaufen hätten.

Ein alter politischer Fuchs, Heiner Geißler, hat den Deutschen neulich gezeigt, wie man eine Bewegung „demokratisch“ einschläfert. Wie leicht sich die „Stuttgart 21“ – Gegner haben aufs Eis führen lassen – das wird ihnen jetzt wohl allmählich dämmern. Ein simpler Taschenspielertrick aus dem Wunderkasten eines geübten Demagogen hat einer für den Staat in mehrfacher Hinsicht bedrohlichen Bewegung sanft den Wind aus den Segeln genommen. Dass die Protestler gewissermaßen ein Gegenkonzept vorlegen sollten, war keine faire Forderung, aber eine, auf die sie nicht hätten eingehen dürfen. Ihre ursprüngliche Forderung war richtig: Sofortiger Stopp aller Baumaßnahmen und dann das Ausarbeiten eines völlig neuen Konzepts unter Einbeziehung der Steuerzahler.

Das Signal, das vom Ende dieser Bewegung in verschiedene Richtungen ausgeht, ist vielsagend. Einerseits braucht sich der Staat keine allzu großen Sorgen zu machen. Ernstzunehmende Protestbewegungen sind in Deutschland auch weiterhin nicht zu erwarten.

An der Protestlerfront wiederum ist man ernüchtert angesichts der Verschlagenheit des Gegners, aber auch angesichts der eigenen Naivität. Wer sich mit Zockern an einen Tisch setzt und dabei auch noch wissentlich deren gezinktes Kartenset als Spielmasse akzeptiert, der hat verdient verloren. Geißler hat phantastisch gezeigt, was einen Polit – Veteranen von normal Sterblichen unterscheidet bzw. wie Masse ohne Gewalt gefügig gemacht wird. Ein Lehrstück in Sachen Volksbeteiligung.

Und ein schlechter Tag für die Freiheit.

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